Journaling: Die etwas andere Art zu schreiben

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Journaling ist eine großartige Methode, um sich nicht im Strudel der Gedanken und Gefühle zu verlieren, die jeden Augenblick durch unseren Körper strömen. Mit der folgenden Übung kannst du ganz einfach in dich hineinhorchen, deine Gedanken beobachten, deinen Gefühlen Raum geben und ganz nebenbei deinen eigenen Horizont erweitern.

Wir kennen uns oft nicht so gut, wie wir denken!

Wie gut kennst du dich wirklich? Weißt du über all deine Wünsche, Bedürfnisse, Träume, Ängste und Befürchtungen Bescheid? Bist du dir im Klaren darüber, was dich innerlich antreibt und was dich zurückhält? Was lässt dich aufstehen, wenn du gefallen bist? Was hindert dich daran, deine Ziele zu verfolgen oder für deine Überzeugungen einzustehen?

Durch das Schreiben wirst du all diesen Fragen ein gutes Stück näherkommen. Dafür nutzen wir die folgende Technik.

Ein Satzanfang stellt die Weichen

Unser Geist hat die Eigenschaft, den Beginn eines Satzes zu Ende bringen zu wollen. Man setze uns einen beliebigen Satzanfang vor, wie zum Beispiel:

„Ich genieße es, wenn …“

und wir führen ihn automatisch fort. Ein Satzanfang kann einen Schreibprozess in Gang setzen, der Wissen in uns zutage fördern kann, von dem wir nicht ahnten, dass wir es besitzen.

Gedanken fließen ungefiltert!

Der Schreibprozess beim Journaling unterscheidet sich von der gewohnten Art zu schreiben. Normalerweise denken wir zuerst darüber nach, was wir schreiben wollen, und setzen dann den Stift aufs Papier. Beim Journaling ist das anders. Wir haben einen Satzanfang vor uns und beginnen unmittelbar mit dem Schreiben.

Für eine festgelegte Zeit (zwei bis fünf Minuten) bringen wir ohne Innezuhalten alles zu Papier, was uns zu diesem Satz und darüber hinaus in den Sinn kommt. Idealerweise schreiben wir in ganzen Sätzen, so wie wir denken.

Das Erleben und das Darüberschreiben passieren also im gleichen Augenblick, wodurch wir kaum Zeit zum Nachdenken haben.

Nachdenken ist, wie das Wort „nach“ schon sagt, ein Rückblick und meist mit einer wertenden Analyse von Gefühlen oder Gedanken verbunden. Dieses Bewerten hindert uns daran, das, was gerade ist, stehenzulassen. Wenn wir die Methode des Journalings anwenden, ist die Bandbreite dessen, was wir aufschreiben, deutlich größer als bei reiner Gedankenbeobachtung.

Solange die Zeit läuft, werden keine Korrekturen vorgenommen. Es gibt keine Unterbrechungen und das bisher Geschriebene wird nicht zwischendurch noch einmal gelesen. Beim Journaling folgen wir absichtslos dem nächsten Gedanken, Gefühl oder der nächsten Wahrnehmung wie einem Fluss.

Wenn uns nichts mehr einfällt, schreiben wir einfach: „Ich weiß gerade nicht, was ich schreiben soll …“ – solange, bis uns wieder etwas in den Sinn kommt oder die Zeit abgelaufen ist. Eine Frage, ein Satz, ein Wort.

Frei von Perfektion

Beim Journaling geht es weder um Perfektion noch darum, einen strukturierten Text zu verfassen, den man später herumzeigen kann. Das Ziel des Journalings ist es, innere Klarheit zu schaffen, und im besten Fall folgt daraus Freude.

Beim Journaling schreiben Verstand, Herz und Bauch gleichzeitig. Wenn man sich bei dieser Gemeinschaftsarbeit über Wortwahl, Schriftbild oder Rechtschreibung Gedanken macht, bekommt der Verstand im Vergleich zu Herz und Bauch zu viel Aufmerksamkeit in diesem Prozess. Das Denken hindert uns daran, den leisen und zarten Impulsen nachzugehen, die wir eher en passant haben und die oft aus tieferen Schichten unseres Bewusstseins kommen.

Erlaubt ist alles, was bewegt

Beim Journaling gibt es kein Richtig oder Falsch. Es geht darum, alles zur Sprache zu bringen, was uns durch den Satzanfang als Impulsgeber gerade bewegt: körperlich, emotional oder mental. Was uns in den Sinn kommt, kommt aufs Papier. Gedanken, Gefühle, Fragen, Zweifel, Urteile und innere Kommentare werden erfasst – egal, ob sie uns gefallen oder nicht. So kann es vorkommen, dass wir Dinge aufschreiben, die wir nach reiflicher Überlegung korrigieren oder gänzlich verwerfen würden. Gedanken, die vielleicht nicht unseren Wünschen entsprechen oder die Regeln brechen. Gedanken, die nicht klug, tiefsinnig oder sinnvoll sind.

Hier ist alles erlaubt.

Wenn wir uns als Ganzes kennenlernen wollen, müssen wir alles, was zu uns gehört, zulassen und ihm Raum geben. Nur dann können wir Erkenntnisse daraus ziehen und sie uns zunutze machen.

Sich beim Journaling neu entdecken

Beim Journaling geht es weder ums Analysieren, noch ums Argumentieren. Daher eignet es sich hervorragend für eine ganzheitliche Selbstreflexion. Ganzheitlich bedeutet in diesem Zusammenhang, nicht nur unseren Gedanken und Gefühlen Gehör zu verschaffen, sondern auch den unbewussten Anteilen Ausdruck zu verleihen.

Während wir denken, fühlen und gleichzeitig schreiben, formen sich neue Erkenntnisse, Einsichten und Ideen fast unbemerkt.

Wir dürfen uns beim Schreiben wundern, hinterfragen, bestätigen oder dem nächsten Impuls folgen. Da diese Art des Schreibens nicht vom Nachdenken dominiert wird, kommen unbewusste Gedankenmuster deutlicher an die Oberfläche.

Woher stammen die Impulse?

Das Gedachte, Gefühlte und Geschriebene ist ein Produkt des Geistes, welches sich aus bewussten und unbewussten Erinnerungen zusammensetzt.

Wir glauben, dass wir meist mit einem wachen Verstand handeln und dass wir klare Entscheidungen treffen können. Dabei wirken jedoch immer auch die unbewussten Anteile mit. Sie haben Einfluss auf unser Leben und alle Entscheidungen, die wir täglich treffen – ob wir es wollen oder nicht.

Wenn wir beim Journaling all dem, was uns in den Sinn kommt, eine Sprache geben, ist das eine Chance, sich mit allen Eigenschaften, Fähigkeiten, Vorbehalten, Erwartungen, Vorlieben, Abneigungen, Wünschen, Ängsten und Hoffnungen bewusster zu erleben.

Offen, freundlich und neugierig

Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die innere Bereitschaft, sich selbst offen, freundlich und neugierig zu begegnen und sich mit allen Aspekten anzunehmen. Diese Form der Offenheit erfordert Mut zur Akzeptanz, denn nicht immer gefällt uns, was wir denken und fühlen. Oft sind wir unsere eigenen schärfsten Kritiker.

Begegnen wir uns also so, wie wir einem Freund begegnen würden.

Ehrlich zu sich selbst sein

In der Regel haben wir beim Verfassen eines Textes einen bestimmten Adressaten vor Augen, an den sich unsere Botschaft richtet. Wir achten – bewusst oder unbewusst – auf den Ton, die Form und die Korrektheit dessen, was wir schreiben, denn wir wollen schließlich verstanden und auf eine bestimmte Weise wahrgenommen werden. Mit dieser Art des Schreibens transportieren wir somit immer auch eine Vorstellung von uns selbst.

Viele erleben, wie befreiend es sein kann, ganz sie selbst zu sein, ohne dabei einen Ruf schützen oder eine Rolle verteidigen zu müssen. Warum auch, denn die Identität, die wir meist aufrechterhalten wollen, ist ohnehin nur erdacht. Wenn wir für uns schreiben, können wir uneingeschränkt ehrlich sein und annehmen, was uns in diesem Augenblick als Mensch ausmacht. Das Geschriebene muss mit niemandem geteilt werden.

Journaling ist eine Methode, um schreibend zur eigenen Mitte zu finden und sich von dort aus ganz und gar zu erleben.

Mögliche Satzanfänge für das Journaling

Ideal ist es, wenn du dich vor dem Schreiben mit einer kleinen Achtsamkeitsübung vorbereitest. Versuch es doch einmal mit der folgenden Übung!

Lenke deine Aufmerksamkeit auf die Bewegung, die der Atem im Bauch- und Brustraum hervorruft, ohne diese zu verändern. Nach fünf Atemzügen schreibe:

Nun kommt der Satzanfang deiner Wahl.

  • Im Moment fühle ich …
  • Wenn ich fokussiert bleiben will, hilft es mir, …
  • Ich bin dankbar dafür, dass …
  • Eine Sache, die ich gerne loslassen möchte, ist …
  • Wenn ich so richtig in Höchstform bin, …
  • Ich ärgere mich immer wieder über …
  • Meine Herausforderungen sind …
  • Mich begeistert …
  • Eine Sache, die ich heute für mich selbst tun möchte, ist …
  • Wenn es nicht nach meinem Kopf geht, …
  • Meine Gedanken kreisen ständig um …
  • Es könnte gut ausgehen, wenn …

Spiele mit den Satzanfängen und markiere diejenigen, bei denen du das Gefühl hast, dass noch nicht alles an die Oberfläche gekommen ist. Manchmal sind viele Wiederholungen nötig, um den Kern zu treffen.

Zusammenfassung

Die wichtigsten Punkte, die beim Schreiben zu beachten sind:

  • Gedanken fließen ungefiltert.
  • Frei von Perfektion!
  • Erlaubt ist alles, was bewegt!
  • Sich selbst entdecken!
  • Offen, freundlich und neugierig!
  • Sich ehrlich begegnen!

Fragen, Zweifel, Unmut, Erstgedanken, Zweitgedanken, Drittgedanken, Ablenkungen, Bewertungen, Bewertung der Bewertungen – alles wird aufgeschrieben.

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Schreib mir, wie es dir gefällt!

Deine Gabriele von attention.rocks ❤️

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