Das aktuelle Monatsthema in meinen Yogastunden lautet „Wurzeln“, was wunderbar in den Januar passt, aber auch in jedem anderen Monat von Bedeutung sein kann. Wie kann mit Yoga Halt finden – auch in wilden Zeiten?
Ich war selbst überrascht, wie vielfältig dieses Thema ist und wie wertvoll es ist, sich ihm über einen längeren Zeitraum zu widmen – denn unsere Aufmerksamkeit folgt dem, womit wir uns intensiv beschäftigen.
In der ersten Stunde dieses Monats ging es vor allem um die Verwurzelung der Füße in der Erde und um das körperliche Gefühl von Stabilität.
Verwurzelung und Stabilität
Diese Vorstellung ist naheliegend. Sie stärkt unser Vertrauen – sowohl in das Getragenwerden als auch in unsere eigene Fähigkeit, Halt zu finden. Und dieser äußere Halt, den wir im Yoga durch viele Haltungen immer wieder üben, wirkt sich nicht nur auf unser Gleichgewicht und unsere Körperhaltung aus. Er verändert uns auch innerlich, denn Körperhaltung, Gedanken und Emotionen sind eng miteinander verbunden.
Wer metaphorisch den Boden unter den Füßen verloren hat, kann durch Standhaltungen und den Fokus auf Verwurzelung wieder zu mehr innerer Stabilität finden. Mehr noch – eine bewusste, kraftvolle Haltung kann uns sogar selbstbewusster und sicherer machen.
Und genau darum geht es in meinem Unterricht und in meinen Veranstaltungen – die Verbindung zwischen Körper, Geist und innerer Stärke erfahrbar zu machen.
Wurzeln – mehr als nur äußeren Halt finden
Wurzeln geben uns nicht nur Halt – sie nähren uns auch. Wenn wir uns mit der Erde verwurzelt fühlen, können wir erkennen, was sie uns schenkt, und daraus eine tiefe Dankbarkeit entwickeln.
Vieles, was für uns selbstverständlich ist, ist es nicht überall auf der Welt.
Unser Wasser kommt zwar aus dem Hahn oder aus der Flasche, aber ursprünglich stammt es aus der Erde und steht in ständigem Austausch mit der Luft. Genauso verhält es sich mit unserer Nahrung: Alles, was wir essen, hat seine Wurzeln in der Erde, auf der wir stehen, auf der wir Halt finden und auf der wir uns bewegen.
Verwurzelung und Verbundenheit
Im Laufe des Monats wurde mir auch bewusst, dass Wurzeln uns nicht nur mit der Erde verbinden, sondern auch mit unseren Vorfahren, unserer Heimat und unserer Kultur. Unsere Wurzeln reichen weit zurück – ins Elternhaus und in die Gesellschaft, die uns geprägt hat.
Manche Menschen wissen, wie es sich anfühlt, diese Wurzeln zu verlieren. Viele, die ein Elternteil verloren haben, kennen dieses Gefühl. Aber auch Flüchtlinge können ein Lied davon singen, denn sie haben „den Heimatboden“ unter ihren Füßen verloren. Ich bin dankbar, dass ich das selbst nicht erlebt habe und hoffe, dass es so bleibt.
Bei aller Unterschiedlichkeit unserer Herkunft und Kultur gibt es doch etwas, das uns alle verbindet: Wir stehen alle auf derselben Erde, werden von der gleichen Schwerkraft gehalten, atmen die selbe Luft und bewundern die gleichen Sterne. Jeder Mensch sehnt sich nach Sicherheit, Gesundheit und Glück.
Innere Wurzeln und inneren Halt finden
Neben den äußeren Wurzeln gibt es auch jene, die tief in uns selbst verankert sind: in unseren Werten, unserer Identität und unseren Ansichten.
Diese Wurzeln sind unsichtbar, aber sie spiegeln sich in unserem Denken, Fühlen und Handeln wider. An dieser Stelle haben wir die Wahl, wie wir mit diesen unsichtbaren Wurzeln umgehen.
Wir können sie nähren, pflegen, aber auch stutzen. Das kann besonders wichtig sein, wenn sie uns einschränken und uns die Luft zum Atmen nehmen.
Wo sind wir emotional verwurzelt? In Angst, Neid und Gier oder in Vertrauen, Mitgefühl und Liebe? Welchen Werten wollen wir neue, starke Wurzeln geben?
Das Gute ist, dass wir uns immer wieder neu entscheiden können, welche inneren Wurzeln wir pflegen und welchen Werten wir folgen wollen.
Wer sich mehr Stabilität, Balance und Flexibilität wünscht, findet im Yoga viele Methoden.
Yoga verändert nicht nur die Art und Weise,
wie wir die Dinge sehen.
Es verändert die Person,
die sie sieht.
(unbekannt)
Yogaübung für mehr Stabilität und Flexibilität
In meinen Yogastunden sage ich oft: Stehe wie ein Berg – kraftvoll, majestätisch und unerschütterlich. Doch anders als ein Berg haben wir auch die Fähigkeit, flexibel zu bleiben.
Wir sind viel freier und können unseren Schwerpunkt verlagern – auf die Fersen, auf die Zehen, auf den rechten oder linken Fuß.
Genauso, wie wir spielerisch mit unserem physischen Stand arbeiten können, können wir auch unseren geistigen Standpunkt hinterfragen und verändern – ohne den inneren Halt zu verlieren.
Probiere es gerne mal aus: Spiele im Stand mit deinem Schwerpunkt und frage dich dabei: Wie sicher stehe ich auf diesem Boden? Wie fest stehe ich in meinen Werten, meinen Ansichten und Überzeugungen?
Ich wünsche dir einen festen Halt im Leben – und gleichzeitig die Freiheit, deinen Standpunkt zu hinterfragen und gegebenenfalls zu verändern. Wenn du Lust hast, tiefer in das Thema einzutauchen, dann schau doch gerne mal in unser Kursangebot. Vielleicht findest du genau das, was dich jetzt unterstützt. Du kannst es auch gerne an jemanden weiterleiten, der es gerade gut gebrauchen kann.
Liebe Grüße
Deine Gabriele von attention.rocks ❤️

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