Was das Enneagramm über dich verrät

Enneagramm

Seit einigen Jahren beschäftige ich mich immer wieder mit dem Enneagramm – einer Persönlichkeitstypologie mit neun archetypischen Persönlichkeitsmustern. Es ist nicht das einzige Modell, mit dem ich mich im Rahmen meiner Coachingausbildung befasst habe, aber es ist das Modell, das mich bis heute am meisten fasziniert.

Was mir daran so gut gefällt, ist, dass es nicht in erster Linie darum geht, welches Persönlichkeitsmuster man hat, sondern dass es konkrete Wege aufzeigt, wie man sich innerhalb der Struktur entwickeln kann.

Da es gar nicht so einfach ist, den eigenen Typ zu bestimmen – die eigenen blinden Flecken sieht man ja bekanntlich nicht – habe ich mich vor einigen Monaten für eine professionelle Typisierung entschieden. Ich wollte endlich Klarheit über mein eigenes Muster bekommen. 

Bei meinen Recherchen bin ich auf die Enneagramm-Akademie gestoßen und war von dem Prozess der Typisierung und der Qualität der Coaches so begeistert, dass ich im Anschluss ein 4-tägiges Seminar gebucht habe.

Was ich in diesem Seminar erlebt habe, geht weit über einen Ausflug in das Reich der Selbsterkenntnis hinaus. Ich habe super engagierte und kompetente Enneagramm-TrainerInnen kennengelernt und ein tiefes Verständnis für mich selbst und die Menschen um mich herum erlangt.

Was du in diesem Artikel in 5 Minuten Lesezeit erfährst, ist:

  • was das Enneagramm ist
  • warum es hilfreich ist, mehr über dein eigenes und andere Muster zu erfahren
  • welche 9 Persönlichkeitsmuster es im Enneagramm gibt
  • wie du dein eigenes Enneagramm-Muster herausfinden kannst
  • wo du eine kostenlose Einführung in das Enneagramm bekommst

Das Enneagramm: Lebenslanger Prozess statt starrer Zuordnung

Für alle, die noch nie etwas vom Enneagramm gehört haben, hole ich ein paar Sätze aus.

Das Enneagramm ist ein Persönlichkeitsmodell, das mit neun archetypischen Persönlichkeitsmustern arbeitet. Die neun Typen – manchmal auch Muster oder Strukturen genannt – werden mit all ihren Wechselwirkungen symbolisch in einem Neuneck dargestellt. Daher stammt auch der Name des Enneagramm-Modells. Ennea ist das griechische Wort für „neun“ und Gramma bedeutet „Modell“ oder „Zeichen“.

Die neun Persönlichkeitstypen, die im Enneagramm beschrieben sind, sollen uns helfen, uns selbst und andere besser zu verstehen. Dabei beschreibt jedes der 9 Muster eine Art und Weise, die Welt zu sehen, sie zu verstehen und sich in ihr zu bewegen. Zu einem Typ oder Muster gehören ein vorherrschendes Lebensthema, ein ausgeprägtes Grundbedürfnis, eine tief liegende Grundangst und eine meist unbewusste Abwehrstrategie. Manche Menschen brauchen Sicherheit, andere bauen auf Harmonie oder suchen Kontrolle.

Die Weltsicht von Typ 1 (Perfektionist oder Reformer) ist davon geprägt, dass er die Welt, die Menschen und sich selbst nicht in Ordnung findet. Deshalb arbeiten Menschen vom Typ 1 auf Vollkommenheit hin. Sie legen ihren Fokus auf richtig und falsch – vor allem auf falsch, damit es verbessert werden kann.

Ich muss nicht betonen, dass solch eine Ausprägung Vor- und Nachteile hat und dass sie mit manchen Menschen (eines anderen Typs) gut oder weniger gut können.

Je klarer wir unsere eigene Persönlichkeit erkennen und je offener wir für die Muster anderer Menschen sind, desto besser gehen wir in Beziehung zu uns selbst und zu anderen.

Kein Typ ist besser als ein anderer

Meine Erfahrung seit der Arbeit mit dem Enneagramm ist, dass meine Empathiefähigkeit mit dem Verständnis für andere Typen noch gewachsen ist. Ebenso die Akzeptanz, andere Menschen so anzunehmen wie sie sind – vor allem solche, die ganz anders ticken als ich.

Folgende Aspekte waren für mich bei der Arbeit mit dem Enneagramm wesentlich:

  1. Keines der neun Enneagramm-Muster ist besser oder schlechter und in jedem Typ steckt Entwicklungspotential.
  2. Modelle können nur bedingt die Wirklichkeit wiedergeben, sowie eine Landkarte auch nur ansatzweise eine Landschaft beschreiben kann.
  3. Eine Zuordnung von Verhaltensweisen führt schnell zu Klischees. Es ist nie das Verhalten allein, das ein Muster prägt, sondern die dahinterliegende Motivation.
  4. Die Findung des eigenen Musters endet nicht in einer starren Zuordnung, sondern öffnet ein Feld von Entwicklungsmöglichkeiten. Wir bewegen uns innerhalb unserem Enneagramm-Musters, aber auch darüber hinaus.
  5. Die Beschäftigung mit dem eigenen Muster ist ein lebenslanger Prozess, in dem wir uns nicht nur besser kennenlernen, sondern auch bewusster im Umgang mit anderen Menschen und in bestimmten Lebensumständen handeln.

Das Enneagramm findet seinen Einsatz überall da, wo Menschen anderen Menschen begegnen und an sich arbeiten. Das ist bei der Selbstfindung der Fall, in der Psychotherapie, beim Coaching, in der Mediation, beim Konfliktmanagement, in der Lebens- oder Beziehungsberatung, in der spirituellen Begleitung und in vielen weiteren Anwendungsgebieten.

Selbsterkenntnis: Die Muster in aller Kürze

In diesem Kapitel stelle ich die Grundzüge der einzelnen Muster kurz vor, damit du einen Überblick über die Vielfalt bekommst. Die kurze Darstellung hat ihre Tücken, denn je mehr ich die Muster vereinfache, desto größer wird die Gefahr, Klischee zu schaffen und den Inhalt der Lehre zu verwässern.

Beachte bitte, dass folgende Beschreibung nur eine grobe Orientierung ist und nicht die Komplexität abbilden kann, die man für eine professionelle Typbestimmung braucht. Zur Typbestimmung komme ich im nächsten Kapitel.

Muster 1 – Perfektionist oder Reformer

Menschen mit diesem Muster orientieren sich gerne an Prinzipien, sind korrekt und bemühen sich, die Dinge zu perfektionieren. Dabei nerven sie sich selbst oft durch überholte Standards.

Muster 2 – Geber oder Helfer

Menschen mit diesem Muster orientieren sich oft an den Bedürfnissen anderer. Ihre Weltsicht ist, dass andere auf ihre Hilfe angewiesen sind. Sie erkennen schnell, was andere brauchen und ihr Fokus liegt auf Beziehungen – etwas, das ihnen manchmal im Weg stehen kann, wenn der Fokus auf eine Aufgabe verlangt ist.

Muster 3 – Dynamiker oder Macher

Menschen mit diesem Muster orientieren sich an Anerkennung. Sie sind eher aufgaben- und erfolgsorientiert und neigen dazu, den Bereich zwischenmenschlicher Beziehungen auszublenden – was andere durchaus unzufrieden machen kann.

Muster 4 – Romantiker oder Individualist

Menschen mit diesem Typ orientieren sich oft am Mangel, das heißt an dem, was fehlt. Sie sind kreativ und tiefgründig, wobei ihre Emotionalität manchmal mit der Notwendigkeit kollidiert, eine Aufgabe zu Ende zu bringen.

Muster 5 – Beobachter oder Forscher

Menschen mit diesem Typ orientieren sich an Denkstrukturen. Sie sind eher analytisch, zurückgezogen und kommentieren die Dinge gern scharfsinnig von außen. Im Tun sind sie dagegen nicht so stark unterwegs.

Muster 6 – Skeptiker oder Loyale

Menschen mit diesem Typ orientieren sich an Sicherheit. Sie wissen immer genau, wo Gefahren lauern und was alles schief gehen kann – selbst dann, wenn alles problemlos läuft.

Muster 7 – Optimist oder Enthusiast

Menschen mit diesem Typ orientieren sich an positiven Optionen. Sie sind oft optimistisch und produzieren gerne Lösungen. Langeweile ist ihnen fremd und sie halten sich eher nicht so gerne mit der tiefgehenden Analyse von Problemen auf.

Muster 8 – Boss oder Herausforderer

Menschen mit diesem Typ orientieren sich an Macht. Sie schützen durch Kontrolle, bringen Dinge voran und werden dabei von anderen häufig als überkontrollierend erlebt.

Muster 9 – Vermittler oder Friedliebende

Menschen mit diesem Typ orientieren sich am Konsens. Sie vermitteln zwischen unvereinbaren Positionen und verlieren darüber ihre eigene. Sie sagen oft ja, wenn sie eigentlich nein meinen und halten deshalb ihre Zusagen auch mal nicht ein.

Verbindung der Muster untereinander

Die neun Muster werden in einem Neuneck dargestellt und dabei ist jeder Typ mit seinem Nachbarn und mit zwei anderen Typen verbunden. Die Verbindungslinien zeigen auf typische Verhaltensänderungen in Zeiten von Ruhe oder Stress hin. Auf Details zu diesen Verbindungen untereinander gehe ich in einem späteren Artikel näher ein.

Innerhalb eines Musters gibt es Reifegrade, die eine Entwicklungsstufe beschreiben, auf der sich ein Typ wahrnimmt, seine Entscheidungen trifft und handelt.

Der Reifeprozess ist der im Grunde der Weg, um entweder aus unbewussten Mustern auszusteigen oder sich bewusst dafür zu entscheiden.

Typisierung – ein kooperativer Findungsprozess

Wie kommt man nun zum eigenen Typ und woran erkennt man sein Muster?

Mein erster Ansatz war, tief in die Theorie einzusteigen. Nach dem Lesen von drei Büchern hatte ich zwar mehr Wissen über das Konzept, war mir aber immer noch unsicher in Hinblick auf mein Muster. Manchmal dachte ich, sie alle zu haben – je nach Situation und Lebenslage.

Ich probierte unterschiedliche Selbsttests, konnte meinen Typ aber nicht wirklich finden. Meine blinden Flecken blieben in den Tests verborgen und die tiefliegende Motivation typischer Verhaltensweisen wurde auch nicht abgefragt.

Auf der Suche nach einem für mich passenden Enneagramm-Coach bin ich auf die Enneagramm-Akademie aufmerksam geworden. Dort habe ich nicht nur sehr engagierte und erfahrene Enneagramm-Coaches gefunden, sondern auch eine kostenlose Online-Einführung erhalten, die das Grundwissen vermittelte und in der es Raum für Fragen gab.

Die Vorgehensweise der Wissensvermittlung und der Typisierung hat mich so begeistert, dass ich mich danach für ein Ausbildungsseminar entschieden habe, um es in meine Trainings und Coachings einfließen zu lassen.

Was dieses Spontanität über mein eigenes Muster aussagt, das erzähle ich dir ein anderes Mal 😉

Die mündlichen Tradition der Enneagramm-Akademie geht davon aus, dass nur der Einzelne die letztendliche Kompetenz hat, um sich einem der neun Typen final zuzuordnen. Daher gestaltet sich die Typisierung auch wie ein kooperativer Findungsprozess. Der Enneagramm-Coach bietet anhand gezielter Fragen Hilfestellung und gibt Führung, macht aber keine Vorgaben.

Fazit: Schlüssel zur verborgenen Seite der Persönlichkeit

Das Enneagramm ist ein Persönlichkeitsmodell bei dem es nicht um Schubladen geht, in die man „gesteckt“ wird, sondern in denen man sich entwickeln und zwischen denen man sich bewegen kann.

Ein Satz auf der Seite der Enneagramm-Akademie trifft es meiner Meinung nach sehr gut auf den Punkt.

„Die Literatur zum Enneagramm betont übereinstimmend, dass das Erkennen des eigenen Enneagramm-Typs nicht das wesentliche Ziel ist, sondern der Ausgangspunkt für die persönliche Entwicklung, etwa durch die Überwindung gewohnheitsmäßiger und dysfunktionaler Automatismen, die Erweiterung von Handlungsstrategien, oder die Integration von verdrängten Aspekten des eigenen Selbst.“

Je besser wir uns selbst kennen und uns der Dynamiken bewusst sind, die im Zusammenleben mit anderen Persönlichkeitstypen auftreten können, desto mehr Leichtigkeit kann in unser Leben kommen.

Das Wissen um das eigene Muster hilft uns, nicht mehr alles „persönlich“ zu nehmen und es zeigt Wege, wie wir uns – trotz aller Spannungen im Miteinander – mit mehr Freude und Leichtigkeit in eine positive Richtung entwickeln können.

Vielleicht hast auch du Lust, tiefer einzusteigen und mal eine kostenlose Einführung mitzumachen?

Liebe Grüße

Gabriele von attention.rocks