Am Freitag habe ich die Arbeitswoche mit einer tollen und für mich herausfordernden Radtour ausklingen lassen und bin danach – wie es der Zufall so will – über einen Artikel zum Thema Super-Ager gestolpert. Super-Ager sind Menschen, die auch im hohen Alter geistig und körperlich erstaunlich fit bleiben.
Dabei ist mir aufgefallen, dass ich mit dieser herausfordernden Bike-Tour ein kleines Stück dazu beigetragen habe, vielleicht auch einmal zu dieser Gruppe zu gehören.
Keine Angst, dieser Beitrag ist auch dann hilfreich, wenn du nicht gerne auf dem Fahrradsattel sitzt. Die Erkenntnisse lassen sich auf viele andere Aktivitäten übertragen – zum Beispiel auf eine herausfordernde Yogahaltung.
Aber erstmal zurück zur Radtour und was es mit Super-Agern auf sich hat.
Herausforderung angenommen
Sabine – eine sehr erfahrene MTB-Guide – hat mir während der Tour einige Techniken rund ums Biken beigebracht, die nicht nur das Fahrerlebnis, sondern auch mein Sicherheitsgefühl verbessert haben. Vor allem auf Trails, die ich vorher nur mit viel innerem Widerstand gefahren bin.
Begonnen haben wir mit einem Baby-Trail, ähnlich wie man es mit Skianfängern auf dem Übungshang macht. Die Technik ist beim Biken genauso wichtig wie beim Skifahren und es ist ein tolles Erlebnis, wenn durch eine kleine Veränderung etwas mühelos geht, was vorher viel Kraft gekostet hat.
Nun könnte man behaupten, dass man mit 59 ja keine Trails mehr fahren und sich sonst auch nichts mehr beweisen muss. Das höre ich immer wieder. Dabei ist eine Herausforderung eine hervorragende Trainingseinheit für unser Gehirn.
Wusstest du, dass Herausforderungen, denen wir am liebsten aus dem Weg gehen würden, unsere kognitive Leistungsfähigkeit fördern können?
Herausforderungen sind wichtig für gesundes Altern
Andrew Huberman, Wissenschaftler an der Stanford University, hat in einem Podcast mit Joe Rogan über Super-Ager gesprochen und erklärt, was in ihren Gehirnen anders ist als bei Menschen, die schneller altern und kognitiv schneller abbauen.
Warum Super-Ager auch im hohen Alter geistig und körperlich so erstaunlich fit sind, wird schon lange erforscht. Und man weiß, dass Faktoren wie Beweglichkeit, Motorik und psychische Gesundheit dabei eine große Rolle spielen – wozu übrigens Yoga hervorragend beitragen kann.
Neue Forschungsergebnisse zeigen nun, dass eine Hirnregion, die unter anderem mit Herausforderungen, Willenskraft und Durchhaltevermögen in Verbindung gebracht wird, bei Super-Agern besonders stark ausgeprägt ist. Es handelt sich dabei um den Anterior Midcingulate Cortex – im Folgenden mit aMCC abgekürzt.
Stimulation durch unliebsame Herausforderungen
Eine faszinierende Entdeckung machte ein Hirnchirurg, als er während eines Eingriffs bei wachen Patienten verschiedene Bereiche des Gehirns stimulierte.
Wenn der aMCC stimuliert wurde, berichteten die Patienten von einem Gefühl, das sich wie eine bevorstehende Herausforderung anfühlte – sei es körperlich oder geistig. Interessanterweise verspürten die Patienten auch den Wunsch, sich dieser Herausforderung zu stellen und sie direkt anzugehen.
Weitere Studien haben gezeigt, dass dieser Bereich des Gehirns auch bei Menschen wächst, die erfolgreich eine Diät einhalten. Im Gegensatz dazu schrumpft der aMCC bei Menschen, die mit Diäten oder Ernährungsprogrammen scheitern.
Ein ähnliches Phänomen wurde bei Menschen beobachtet, die neue Bewegungsformen ausprobiert haben, insbesondere solche, die sie zunächst nicht machen wollten.
Widerstand ist Voraussetzung
Der innere Widerstand ist sogar ein elementarer Faktor, denn bei Aktivitäten, die Menschen bereits genießen, gibt es keine signifikanten Veränderungen in der Größe oder Form dieses Gehirnbereichs.
So hat der aMCC bei den sogenannten „Super-Agern“ ein größeres Volumen. Aber das ist nicht das einzige universelle Merkmal der Super-Ager. Sie neigen auch dazu, Dinge zu tun, die herausfordernd sind und die sie vielleicht gar nicht tun wollen.
Wenn du dich dazu überwinden kannst, etwas zu tun, das gut für dich ist aber worauf du keine Lust hast, stärkst du den aMCC. Und dieser Bereich des Gehirns hat Ein- und Ausgänge zu verschiedenen anderen Regionen des Gehirns, die für unsere Motivation und unsere Lern- und Gedächtnisfähigkeiten verantwortlich sind.
Schwierige Dinge zu tun, stärkt die Fähigkeit, andere schwierige Dinge zu tun. Und es birgt ein großes Potenzial für ein langes und gesundes Leben.
Eine Herausforderung muss nicht riskant sein
Natürlich muss die Herausforderung nicht riskant sein. Es genügt schon, wenn du dich dazu überwinden musst.
Beim Yoga integrieren wir viele Faktoren, die dir auf dem Weg zum Super-Ager helfen können. Wir üben immer wieder neue Haltungen und Bewegungsabläufe und werden regelmäßig mit unseren Widerständen konfrontiert.
Nicht alle Haltungen (āsanas) sind bei allen Menschen gleich beliebt. Manche machen eine Haltung nicht so gerne, weil sie ihnen nicht liegt. Dabei sind die Haltungen, die uns nicht so liegen, oft genau die, die wir brauchen.
Auf jeden Fall kannst du dich in Zukunft über jede Art von Widerstand freuen. Widerstände können dir helfen, ein Super-Ager zu werden – vorausgesetzt, die Sache, zu der du dich überwinden musst, ist auch gut für dich.
Vielleicht möchtest du mal einen Bike-Trail ausprobieren oder vielleicht doch lieber Yoga?
Wenn du Lust hast, mit mir in eine kraftvolle und erdende Praxis einzusteigen, kannst du das in meinem Live-Online-Formaten. Schau gerne mal rein!
Noch ein Tipp zur Überwindung von Widerständen: Vor ein paar Tagen habe ich den Blogartikel „Selbstbewusstsein stärken – Yoga und zwei Power-Tools im Einklang“ überarbeitet. Darin findest du ein paar kraftvolle Methoden, um Widerstände leichter zu überwinden. Vor allem, wenn es um die Angst vor dem Scheitern geht.
Auf dass wir gesund alt werden und auf allen Ebene fit bleiben.
Alles Liebe
Deine Gabriele von attention.rocks
