Purpose on Fire – wie wir unseren Weg finden

Frau mit verschränkten Armen und selbstbewusster Haltung.

Als Judith Peters zur Veranstaltung „Blog your purpose“ einlud, kam dies für mich und meinen Blog genau zur richtigen Zeit. Ich hatte meine Bestimmung (purpose) zwar schon vor vielen Jahren gesucht und gefunden, merkte in letzter Zeit jedoch immer wieder, dass ich die einst so starke Verbindung nicht mehr deutlich spürte.

Ich war mir nicht einmal mehr sicher, ob mein alter „purpose“ noch stimmig war.

Die Begriffe „Bestimmung, Purpose oder Berufung“ sind oft abstrakt und klingen riesig. Sie werden jedoch greifbarer, wenn wir sie uns näher anschauen. Bevor ich euch meinen Purpose verrate und wie ich ihn mit dieser Challenge neu justiert habe, schauen wir uns die Bedeutung hinter dem großen Wort erst mal genauer an.

Großes Wort in kleinen Häppchen

Unserer Bestimmung nachzugehen bedeutet, dass wir uns einer Sache widmen, die uns wichtig ist, die uns interessiert und deren Einfluss meist über uns hinausgeht. Sie ist deshalb größer als wir selbst, weil wir mit ihr nicht nur etwas für uns selbst tun, sondern weil wir etwas Sinnvolles in der Welt bewegen.

Die Bestimmung kann sich im privaten Bereich entfalten, im beruflichen Alltag oder auch darüber hinaus, in allem was wir tun. Um unseren Purpose zu leben, setzen wir all all unsere Fähigkeiten und Talente ein und bauen sie bewusst weiter aus.

Das klingt oft groß, muss aber nicht ein Riesending sein. Wir können uns auch zu etwas berufen fühlen, was nur einen kleinen Einfluss auf unsere Umgebung hat und auch ohne dass wir dieser einen Sache gleich unser ganzes Leben widmen.

Wenn ich früher an Bestimmung dachte – und vielleicht geht es dir ja ähnlich – fielen mir Menschen wie Nelson Mandela ein, der sich im Kampf gegen die Apartheid für Gleichberechtigung und Freiheit einsetzten. Oder Mutter Theresa, die ihr Leben den Ärmsten der Armen widmete und deren Wirken heute noch für Liebe und Mitgefühl steht.

Bestimmung geht aber auch kleiner und sie darf sich in Schritten entwickeln.

Judith Peters hatte in ihrer Blog-Challenge unterschiedliche Purpose Gruppierungen aufgeführt, die ich sehr spannend fand. Es gibt Bestimmungen, in die wir hineingeboren werden und welche, in die wir uns entwickeln können. In manchen finden wir uns evtl. auch ganz plötzlich nach einem Schicksalsschlag wieder.

Purpose Gruppierungen

Es gibt Menschen, die ihren Purpose mit ihrer Geburt bekommen, wie z.B. die Mitglieder einer königlichen Familie. Was es bedeutet, diesen Purpose zu erben oder auch ihn abzustreifen, können wir jeden Tag in der Boulevard-Presse mitverfolgen.

Dann gibt es Menschen, die eine große Ungerechtigkeit erfahren und ihre Bestimmung darin finden, diese zu beseitigen. Wenn solche Menschen in die Politik gehen oder Organisationen gründen, kann Großes geschehen. Martin Luther King ist hierfür ein leuchtendes Beispiel und sein Satz „I have a dream“ hält ihn über den Tod lebendig.

Und dann gibt es Menschen, die mit einer Einschränkung geboren werden oder einen Schicksalsschlag hinnehmen müssen. Sie finden ihren purpose vielleicht darin, anderen zu zeigen, wie man trotzdem über sich hinauswachsen und einen Beitrag für andere leisten kann.

Ein bewegendes Schicksal hat Nick Vujicic, der ohne Arme und Beine geboren wurde. Er hatte einen langen und dunklen Weg zu bewältigen, doch heute steht er auf Bühnen und hält inspirierende Reden. In seinen Vorträgen erzählt er seine bewegende Story und motiviert andere, sich durch nichts begrenzen zu lassen und niemals aufzugeben. Er ist ein leuchtendes Beispiel, dass Lebensfreude trotz äußerst schwierigen Ausgangsbedingungen möglich ist.

Was auch immer wir erlebt haben, was uns geschenkt wurde und was wir verloren haben, kann dazu beitragen, unseren ganz persönlichen Sinn zu finden und mit unserem Wirken die Bedingungen in dieser Welt positiv zu verändern.

Wann hören wir den Ruf?

Vielleicht kennst du dieses nagende Bedürfnis, einen tieferen Sinn in deinem beruflichen oder privaten Tun zu finden und ihm nachzugehen. Und vielleicht gibt es sogar schon diese eine Sache, der du deine Zeit und Energie widmen möchtest.

Für viele liegt der Sinn aber nicht so klar auf der Hand. Er gleicht mehr einer Ahnung, einer vage Idee oder einer Vorstellung, dass es da noch mehr gibt, als das Leben, das wir bis zu diesem Zeitpunkt führten. Manche gehen auf die Suche, weil ihnen die Motivation abhanden gekommen ist, das zu tun, was ansteht.

Die Frage nach dem Purpose überkommt uns auch, wenn uns klar wird, dass wir etwas tun, was uns nicht wirklich wichtig ist oder was nicht (mehr) zu unseren Wünschen, Werten und Talenten passt.

Die Frage nach der Bestimmung unseres Lebens drängt sich auch gerne in eine Lebensphase, in der wir bereits viel erreicht haben. Wenn wir den Ruf hören, besitzen wir vielleicht schon alles, was wir zum Leben brauchen und haben trotzdem das Gefühl, dass uns etwas Wesentliches fehlt.

Purpose in verschiedenen Lebensphasen

Die Suche nach der Bestimmung kann unser Leben bereichern und manchmal auch ein wenig aus der Bahn bringen. Ruckelig wird es beispielsweise dann, wenn wir feststellen, dass wir unsere Karriereleiter, die wir seit Jahren hochklettern, am falschen Haus angelehnt haben oder dass die Beziehung in der wir seit langem stecken, Lebensziele verfolgt, mit denen wir langfristig nicht glücklich werden.

Natürlich können wir alles beim Alten lassen und den Wunsch nach mehr Sinn und Erfüllung ignorieren. Wir können uns aber auch vertrauensvoll dieser inneren Stimme zuwenden und uns in kleinen und gangbaren Schritten nähern.

Vielleicht fehlt uns nur ein Puzzleteil oder das Verständnis, was wir mit dem, was wir ohnehin schon tun, bewirken können. Wenn wir den Sinn dort finden, wo wir schon wirksam sind, ist keine große Veränderung notwendig.

Ein ganz wichtiger Aspekt ist, dass unsere Bestimmung so beweglich ist, wie wir selbst. Wir entwickeln uns als Mensch im Laufe des Lebens und unser Purpose entwickelt sich mit.

Für viele Menschen kommt die Sinn-Frage erst hoch, wenn eine Lebensphase endet und eine neue beginnt – überwiegend bei einem Übergang in eine fortgeschrittene Phase des Lebens.

So war es bei mir. Ich hatte mir zwar schon sehr früh über diese Themen Gedanken gemacht, aber so richtig in Bewegung kam ich erst, als ich schon in den Vierzigern war.

Der großen Veränderung gingen somit einige Jahre voraus – Jahre der Vorbereitung, der Entwicklung und Findung. Erst in dem Jahr, in dem ich fünfzig wurde, habe ich erkannt, was mir wirklich wichtig ist und mich antreibt. Und erst dann habe ich den großen Schritt gewagt.

Mein Purpose – Bestimmung als Chance?

Als ich 2015 den Schritt in die Selbständigkeit wagte und 24 Jahre Corporate Life hinter mir ließ, hatte ich mich ganz stark mit meinem Purpose beschäftigt. Ich sah diese Zeit als große Chance, mich beruflich nochmal ganz neu zu finden.

Vor diesem Ausstieg war ich Beratungsleiterin in einem IT-Konzern. Ich hatte einen Job, der Sicherheit und jede Menge Statussymbole mit sich brachte. Gleichzeitig spürte ich eine gewisse Leere und Unzufriedenheit. Dazu kam, dass ich plötzlich für die Themen, für die ich privat brannte, ein neues berufliches Umfeld entdeckte. Zufall? Ich würde sagen, die Zeit war reif und ich ebenso.

Es gab damals eine Initiative bei SAP, der ich angehörte und mit der wir eine Achtsamkeitsbewegung in Gang brachten, die bis heute andauert. Es ging darum, mit Achtsamkeit wichtige Kompetenzen bei den Mitarbeitern aufzubauen – Kompetenzen aus dem Bereich der emotionalen Intelligenz. Wir träumten davon, mit dieser Bewegung einen Einfluss auf die Unternehmenskultur zu nehmen und ich glaube bis heute daran, das es möglich ist, das ungesunde Motto „höher, schneller, weiter“ in „größer, freier, menschlicher“ zu verwandeln.

Ich hatte schon immer eine Schwäche für die sogenannten Soft-Skills, die meiner Meinung nach alles andere als „soft“ sind und mit denen man sehr konkrete und hartnäckige Probleme lösen kann. Zu diesen Kompetenzen gehören zum Beispiel:

  • innere Ruhe,
  • emotionale Ausgeglichenheit,
  • Ausdauer,
  • Durchsetzungsvermögen,
  • eine gute Selbstwahrnehmung,
  • Empathie
  • Mitgefühl (für sich und andere)

Manche dieser Eigenschaften werden Menschen schon in die Wiege gelegt und sind somit unterschiedlich stark ausgeprägt. Es gibt jedoch einen großen Anteil, den wir mit speziellen Trainingsmethoden ausbauen können – wenn wir bereit sind, den Aufwand auf uns zu nehmen.

Wenn die Begeisterung überkocht

Emotionale Intelligenz dient nicht nur dem einzelnen, sondern beeinflusst über das eigene Verhalten die Menschen um uns herum. Als ich das erkannte, beschäftigte ich mich rund um die Uhr mit Methoden und Konzepten, die uns befähigen würden, viele unserer hausgemachten Probleme zu lösen.

Meine Begeisterung wuchs mit meinen Erfahrungen und den zahlreichen Rückmeldungen aus meinen Seminaren, die ich damals noch in meiner Angestelltenrolle bei SAP hielt. Ich konnte nicht nur an mir selbst, sondern auch an anderen erleben, wie eine achtsame Haltung uns wieder mit uns selbst in Verbindung brachte.

Ich hatte meinen Purpose gefunden und wollte als Trainerin in Unternehmen Achtsamkeit unterrichten, um mit ihr die emotionale Intelligenz der Mitarbeiter auf Vordermann zu bringen. Um den Rest der Menschheit zu erreichen, wollte ich offene Seminare halten. Meine bescheidene Zielgruppe waren „alle“.

Ich muss vermutlich nicht sagen, dass sich die Sache mit dem „auf Vordermann bringen“ nicht so leicht gestaltet hat, wie ich mir das in meinem Eifer dachte.

Wer die eigenen Ziele zu hoch setzt, kommt bei viel Gegenwind leicht in Versuchung, den Gedanken an den „purpose“ wieder fallenzulassen oder ihn als verrückte und überzogene Idee abzutun.

Wie bricht man das Ziel, die Welt zu retten, sinnvoll runter?

Ich war mir so sicher, dass die Menschheit bereit war für das Thema, und dass es mir „nur“ gelingen musste, allen die Vorteile schmackhaft zu machen. Wie langwierig und anstrengend die ganze Nummer werden würde, hatte ich mir damals nicht vorgestellt. Und das ist auch gut so, denn sonst würden wir es vielleicht nicht wagen.

Rückblickend erkannte ich die Achtsamkeitsbubble, in der ich mich damals befand. In diese Falle tappen nicht wenige Menschen, die ihren Purpose finden. Sie umgeben sich mit Gleichgesinnten, die ähnlich gestrickt sind oder vergleichbare Ziele haben. Es dauert oft eine Weile, bis man merkt, dass es sich dabei um Mitstreiter handelt und nicht um die eigene Zielgruppe.

Ich musste auf schmerzhafte Weise lernen, dass die Menschen, die mich umgaben, nicht repräsentativ waren für die Menschheit, die ich mit Achtsamkeit größer, freier und menschlicher machen wollte.

Ich finde zwar nach wie vor, dass die ganze Menschheit Achtsamkeit mehr denn je gebrauchen kann, aber das bedeutet ja nicht automatisch, dass auch alle schon bereit dafür sind.

In den darauffolgenden Jahren passte ich meine Angebote und die Zielgruppe an. Mein Purpose wurde immer wieder auf die Probe gestellt und durch meine Erkenntnissen und Erfahrungen geschliffen.

Manifestierung und ein Glaube, der Berge versetzt

In meiner Vision stellte ich mir vor, wie Menschen offener, toleranter, selbstbewusster, mitfühlender und wertschätzender mit sich und anderen umgingen. Ich malte mir aus, was dies für den inneren und äußeren Frieden bedeutet. Dieses Bild trieb mich an und motiviert mich heute noch.

Diese Vision ist der Grund, warum ich immer wieder zu meinem Purpose zurückgefunden und Energie für den nächsten Schritt aufgebracht habe.

So schön die Vorstellung auch ist und so wertvoll die Achtsamkeitspraxis auch sein kann, heißt es jedoch nicht, dass eine solche Haltung über Nacht kommt und ist auch nicht mit Knopfdruck zu erreichen. Sie setzt die Bereitschaft eines jeden Einzelnen voraus, alte Gewohnheiten aufzugeben und neue zu etablieren.

Leider lassen sich Gewohnheiten nicht so einfach aufbrechen.

Selbst wenn wir wissen, wie wir uns z.B. gesund ernähren können, führt das noch lange nicht dazu, dass wir unsere ungesunde Ernährungsgewohnheiten abstellen. Das gleiche gilt für auch die vielen Gedanken, die wir im Kopf sich selbst überlassen – mit teils verheerenden Auswirkungen.

Destruktives Denken ist weit verbreitet und obwohl es weder für unser Wohlbefinden noch für unsere Beziehungen förderlich ist, bleiben wir dabei – meist unbewusst. Erst wenn es so richtig ans Eingemachte geht und unsere Gesundheit oder unsere Beziehungen auf dem Spiel stehen, kommen wir in Bewegung.

Ich wollte dieses „aus der Not heraus handeln“ unter allen Umständen vermeiden – bei mir selbst und bei anderen. Mein Wunsch war, die Veränderung proaktiv anzugehen, da wir doch aus wissenschaftlichen Studien wissen, wie wir mit gezielten Methoden unseren geistigen Müll und den alten destruktiven Mustern auf die Pelle rücken können.

Und hier kommen wichtige Eigenschaften, die uns bei der Verfolgung unseres Lebenssinns helfen. Wir brauchen einen langen Atem, Durchhaltevermögen und ein Glaube, der Berge versetzt, um Rückschläge zu verkraften.

Mein Purpose bekam einen kleinen Knick, als ich einsehen musste, dass die meisten Menschen nicht ohne Not in Bewegung kamen.

Relativierungsphase aushalten

Die Blog-Challenge „Blog your purpose“ hat mir geholfen, mich wieder mit meiner Vision zu verbinden. Meine Zielgruppe ist kleiner geworden und ich konzentriere mich auf diejenigen, die bereit sind. Und weißt du was? Damit habe ich auch mehr als genug zu tun.

Heute muss ich über meine Anfänge schmunzeln, aber damals wusste ich es nicht besser. Wenn wir uns aufmachen, den eigenen Weg zu finden, gehören Umwege, Sackgassen und Verirrungen automatisch mit dazu. Es ist das alte Spiel von „Trial and Error“ und ich bin froh, dass ich trotz einiger Wirrungen ausgehalten habe.

Sicher wird es auch in Zukunft Momente geben, in denen ich an meinem positiven Impact in der Welt zweifele. Doch ich weiß, dass ich mich nur erinnern muss, warum mich diese Aufgabe so fasziniert und welche Fähigkeiten ich dafür mitbringe. Das was wir gut können und was uns wichtig ist, führt uns automatisch zu dem, was wir bewirken können. Davon bin ich fest überzeugt.

Natürlich gehört zu jeder Relativierungsphase auch der Rückblick. Welche Maßnahmen haben sich bewährt, was hat gar nicht geklappt, was konnte ich erfolgreich umsetzen und was lief wie von selbst?

Wenn man den Purpose nicht so deutlich und knackig in Worten ausdrücken kann, hilft es, sich eine Liste zu machen, was man bewirken will. Auf diese Weise kommen wir der Essenz näher und für diesen Prozess dürfen wir uns ausreichend Zeit lassen.

Frage: Was will ich bewirken?

Bei meinem Purpose dreht sich alles um das gute Leben. Nicht mit „gut“ im Sinne von reich und erfolgreich, sondern im Sinne von zufrieden, frei und voller Lebensfreude.

Wir fangen mit den Bemühungen immer erst bei uns selbst an und achten darauf, wie sich die Wellen dieser Veränderungen auch auf unsere Umwelt ausdehnt.

Mein TOP 3, worauf ich gerne einen positiven Einfluss haben möchte:

(1) Ausgeglichenheit, Klarheit und emotionale Balance

Out of balance? Das ist schnell passiert in dieser schnelllebigen und hoch komplexen Welt! Wir können auf unterschiedlichen Ebenen aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Mal sind wir mental aufgewühlt, mal emotional aus dem Häuschen und mal spüren wir körperliches Ungleichgewicht in Form von Erschöpfung, Verspannungen oder Schmerz.

Da diese drei Ebenen immer miteinander in Bezug stehen, können wir auf jeder Ebenen ansetzen, um wieder stabilen Boden unter den Füßen zu bekommen.

Es gibt zahlreiche Ansätze, und die für mich wirksamste und beste habe ich in der Praxis und Philosophie des Yoga gefunden. Mit Körperhaltungen, Atemübungen und verschiedenen Formen der Entspannung erreichen wir spürbar einen großen Teil dieser Ebenen. Die zum Yoga gehörende Philosophie kann uns dabei helfen, mental die Zusammenhänge menschlicher Empfindungen und Handlungen besser einzuordnen.

Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, sich die eigenen Themen genauer anzusehen, die sich immer wieder zu einem emotionalen Staudamm entwickeln. Das führt mich zum nächsten Punkt.

(2) In Verbindung sein mit sich selbst

Was uns emotional aus der Balance bringt, sind meist Themen, die wir bereits kennen. Ein Kollege, der uns vor gesammelter Mannschaft mit einem Fehler konfrontiert, der Haussegen, der aus den gleichen Gründen immer wieder in Schieflage gerät, nicht erfüllte Erwartungen, Enttäuschungen und nicht zu vergessen – der eigene negative Self-Talk.

Manchmal sind es Kleinigkeiten, die uns aus der Fassung bringen, doch wenn wir genauer hinschauen, sind diese Kleinigkeiten oft die Spitze eines Berges, der sich unbearbeitet angehäuft hat.

Um meine Themen und die von anderen besser zu verstehen, habe ich eine mehrjährige Coaching-Ausbildung gemacht. Dabei lernte ich, wie ich den Berg langsam abtragen kann, statt ihn weiterhin blind und unbewusst zu vergrößern.

Hat man sich selbst erst einmal besser verstanden, erkennt man deutlicher, dass es nicht die Erlebnisse selbst sind, die uns zu schaffen machen. Es ist die Art, wie wir sie wahrnehmen, einordnen und verstehen.

Natürlich gibt es Schicksalsschläge, die nur schwer zu verkraften sind und die ihre Zeit brauchen, um im Leben integriert zu werden. Aber auch hier spielt die Art und Weise, wie wir uns auf die Ereignisse einlassen und sie uns erklären, eine elementare Rolle.

In meinen Seminaren lehre ich einfache und wirksame Methoden aus dem Coaching, mit denen wir unseren Mustern, Glaubenssätzen und inneren Anteilen auf die Schliche kommen können. Für die Zukunft geht es dann darum, sie gut im Auge zu behalten. Es ist wie mit den Störenfrieden in der Schule. Wenn man sie in die erste Reihe setzt, hat man sie am besten im Blick.

Wir sind mehr als unsere Gefühle, Gedanken und inneren Anteile. Vielleicht ist genau diese Erkenntnis eine übergeordnete Bestimmung, die uns alle verbindet. Mit dieser Erkenntnis heißt es dann, Verantwortung zu übernehmen, damit unsere Muster nicht die Kontrolle übernehmen.

(3) Verbindung mit anderen

Der dritte Wirkungswunsch ist, gute Verbindungen mit anderen zu schaffen. Das Ziel resultiert quasi aus dem ersten und zweiten. Wenn ich gut mit mir selbst in Verbindung bin und mich mit all meinen Stärken, Schwächen, Talenten, Wünschen und Abneigungen kenne, kann ich andere auch eher so sein lassen, wie sie sind.

Dann wird nicht alles, was sie tun, zu einem persönlichen Angriff und ich kann souveräner entscheiden, wann ich Dinge stehenlassen kann oder wann es Zeit ist, dagegen anzugehen.

Ein friedlicher Umgang mit anderen bewirkt etwas in unserem Leben wie auch in dem von anderen. Toleranz füreinander verbindet Völker und dafür können wir gar nicht genug tun. Der Start beginnt immer bei uns selbst!

Purpose: Welche Stärken bringe ich mit? Was fehlt?

Jeder hat ein Set an Talenten und Fähigkeiten. Wenn wir unseren Purpose finden wollen, ist es enorm hilfreich, uns mit all den Fähigkeiten zu verbinden, die wir mitbringen. Das kann etwas sein, was angeboren ist oder etwas, das wir uns angeeignet haben. Meist tun wir es gerne, weil es uns „entspricht“.

Für die drei Bereiche, in denen ich wirksam sein will, hilft mir meine Freude an der Kommunikation, meine analytischen Fähigkeiten und der innere Drang, den Dingen auf den Grund zu gehen. Meine Begeisterung hilft, die Neugier bei anderen zu wecken und motiviert zu bleiben.

Sich mit den eigenen Stärken zu beschäftigen, beinhaltet auch, einen Blick auf die Schwächen zu werfen. Was fehlt und wobei brauche ich Hilfe? Welche Menschen haben genau die Fähigkeiten, die ich brauche?

Einem Projekt den letzten Schliff zu geben und auf die Straße zu bringen, ist nicht so mein Ding. Ich kann das, aber es erfordert viel Anstrengung und Disziplin, die ich nicht immer aufbringen kann.

In den letzten 6 Jahren habe ich 5 Bücher veröffentlicht und liebe es zu schreiben. Mein Marketing hingegen steckt noch immer in den Kinderschuhen. Das braucht man jedoch dringend, wenn man mit den Büchern auch Menschen erreichen will.

Aus manchen Schwächen, zu denen ich mich bekannt habe, haben sich die schönsten Zusammenarbeiten entwickelt. Ich hoffe, dass ich das am Ende des Jahres auch für den Vertrieb und das Marketing meiner Bücher sagen kann. Wer hier einen guten Tipp für mich hat – nur her damit.

Purpose – Reifegrad – jung oder mittelalt?

Ich schrieb bereits, dass sich unser Purpose mit uns entwickelt. Je klarer wir uns kennen, desto klarer wird auch unser Purpose. Das geht nicht an einem Tag.

Mittlerweile arbeite ich seit mehr als sechs Wochen an diesem Artikel und die Challenge von Judith Peters ist längst Geschichte und archiviert. Die Arbeit geht jedoch im Inneren weiter und in regelmäßigen Abständen kommen neue Gedanken und Erkenntnisse.

Einen Durchbruch hatte ich, als wir im Juni 2023 den Mauerweg in Berlin mit dem Fahrrad fuhren.

Auf dieser 160 km langen Tour – entlang der ehemaligen DDR-Grenzanlagen zu West-Berlin – war das Thema „Freiheit“ omnipräsent. Viele Menschen haben an dieser Grenze ihr Leben für die Freiheit verloren. Bilder und Geschichten erinnern daran, wer diese Menschen waren. Flüchtlinge, Grenzsoldaten, Deserteure, Fluchthelfer und Menschen, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren.

Auf dem Mauerweg ist mir klargeworden, dass manche Menschen mehr Freiheit brauchen als andere. Und wer dauerhaft an seinen Grenzen leidet, wird mit Sicherheit mehr Energie für seine Freiheit aufbringen als jemand, der sich mit seinem Zustand gut arrangieren kann. Das gilt für äußere und innere Grenzen.

Die meisten Menschen in unserem Land sind frei und könnten sich in vielerlei Hinsicht entwickeln. Dennoch bleiben sie oft hinter ihren Möglichkeiten, weil sie in Glaubenssätzen, Erwartungen und limitierender Vorstellungen verharren. Wenn wir zulassen, dass die innere Freiheit blockiert ist, verhindern wir auch den Fluß von Zufriedenheit, Selbsterkenntnis und Lebensfreude.

Diese Analogie passte auch gut zur Bereitschaft einer inneren Veränderung. Manche nehmen sie freiwillig auf sich, während andere nur in der Not dazu bereit sind.

Achtsamkeit führt zum WIE

Wenn wir achtsam bleiben – d.h. gegenwärtig, offen und freundlich – ist es viel leichter, innere Mauern einzureißen. Den Anfang können wir mit der reinen Beobachtung unserer Gedanken, Gefühle und Empfindungen machen.

Worauf richten wir unsere Aufmerksamkeit und wie aufmerksam nehmen wir die Welt wahr? Wie schnell bewerten wir Ereignisse und wie achtsam bleibt unser Blick auf das Ganze?

Mein Blog und der dazugehörende Verlag „attention.rocks“ trägt das Wort „Aufmerksamkeit“ im Namen. Das hat einen guten Grund, denn unsere Aufmerksamkeit bei dem zu halten, was wirklich wichtig und wesentlich ist, ist nicht einfach.

Wenn ich meinen Purpose auf eine Sache reduzieren müsste, würde ich sagen, dass es mir um die innere Freiheit im Menschen geht. Ich glaube, dass, wenn wir diese Freiheit erreicht haben und sie auch anderen zugestehen, der Rest von ganz alleine kommt. Selbstbewusstsein, Großmut, Toleranz, Zufriedenheit, Mitgefühl und wertvolle Beziehungen.

Ich habe auch über die Liebe nachgedacht und mich gefragt, ob wir sie „aktiv angehen“ müssen. Dabei bin ich jedoch zu dem Schluss gekommen, dass sie – genau wie die Lebensfreude – schon längst da ist und mit Freiheit automatisch freigelegt wird.

Attention.Rocks

Ich hoffe, dass dir meine innere Reise zu meinem Purpose, ein paar Ideen aufgezeigt hat, wie du deinen finden kannst.

In meinem Blog und meinen Büchern findest du viele Zusammenhänge von Freiheit und unseren inneren Bewertungssystemen – und zahlreiche Übungen, um in die Umsetzung zu kommen. Ich freue mich, dass du hier bist und Impulse und Strategien sammelst, die dir helfen, ein freies und erfülltes Leben zu leben.

Was brauchst du dafür?

Ich wünsche dir alles Liebe und viel Erfolg

Gaby von attention.rocks