„Musik ist die gemeinsame Sprache der Menschheit“, soll der Schriftsteller Henry Wadsworth Longfellow gesagt haben. Dem möchte ich nicht nur zustimmen, sondern noch einiges hinzufügen. Und deshalb geht es heute um die positiven Effekte, die Musik entfalten kann.
Wenn du wissen möchtest, wie euphorisierend Musik sein kann und mit welcher psychoaktiven Droge sie es unter Umständen aufnehmen kann, bleib dran.
Musik bewegt, verbindet und euphorisiert
Anlass für dieses Thema ist ein Konzert, das ich letzte Woche besucht habe. Das Ensemble „Li(e)dschatten“ präsentierte unter dem Titel „Not only a celtic fantasy“ eine Auswahl irischer Musikstücke – unter der musikalischen Leitung von Susanne Thewes, begleitet von Anke Eiswirth am Akkordeon und Susanne Müller an der Querflöte.
Es war ein Fest für die Sinne und die Musik verband die Menschen im Raum auf magische Weise.
Tatsächlich wird die Wirkung von Musik auf den Menschen schon lange erforscht, und in den letzten Jahren sind spannende Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften hinzugekommen.
„Musik verringert Schmerzen, senkt Blutdruck und Herzfrequenz, lindert Symptome bei Parkinson und Multipler Sklerose, bringt Licht in das Leben von Depressiven, regt Demenzpatienten an, sich zu erinnern, und Autisten, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten.“ schreibt Pete Smith in seinem Artikel „Ein Fest für die Endorphine„.
Er schreibt weiter, dass bestimmte Rhythmen Sportler zu Höchstleistungen anspornen und Patienten bei Operationen unter fröhlicher Beschallung weniger Narkosemittel benötigen. Neben der emotionalen Wirkung kann Musizieren sogar den eigenen Alterungsprozess verlangsamen.
Musik ist mächtig und wo Macht ist, kann sie natürlich auch missbraucht werden, wie zum Beispiel zu manipulativen Zwecken in der Werbung. Musik weckt Emotionen und führt Gruppen zusammen. In Kriegszeiten wurden martialische Klänge sogar zur Aufmunterung der Truppen eingesetzt. Aber um diese Wirkung soll es heute nicht gehen. Ich möchte sie nur der Vollständigkeit halber erwähnen.
Was haben Forscher untersucht?
Als ich über die Wirkungsweisen gelesen habe, klang das zu schön, um wahr zu sein. Also habe ich nach Studien gesucht, die diese Behauptungen stützen.
Es ist wirklich erstaunlich, wie viele Studien es gibt und für welche Lebensbereiche und Krankheitsbilder Musik eingesetzt werden kann. Hier sind einige meiner Favoriten:
- Musizieren und Neuroplastizität
Bei Berufsmusikern ist das Corpus callosum, das die rechte und linke Gehirnhälfte verbindet, stärker ausgeprägt als bei Nichtmusikern. Forschungsergebnisse der letzten 20 Jahre haben gezeigt, dass langfristiges Musiktraining und das damit verbundene Erlernen sensomotorischer Fähigkeiten einen starken Anreiz für neuroplastische Veränderungen darstellen kann. - Einfluss von Musik auf das Herz
Musik hat auch Auswirkungen auf die Herzfrequenz (HF), die Herzfrequenzvariabilität (HRV) und auf andere physiologische Parameter. Dabei sind die Einflüsse auf HF, HRV und das autonome Nervensystem bei Musikern stärker als bei Musikzuhörern. - Klassik oder Heavy Metal?
Die beste Wirkung von Musik wird mit klassischer oder meditativer Musik erzielt. Bach, Mozart und andere italienische Komponisten liegen weit vorn, aber es gibt auch eine Studie, in der Professor Hans-Joachim Trappe, Direktor der Medizinischen Klinik II des Universitätsklinikums Bochum-Herne, neben klassischer Musik auch die Wirkung von Heavy Metal auf Herzfrequenz und Blutdruck untersucht hat. Im Vergleich zur Popmusik der schwedischen Gruppe ABBA schnitt Heavy Metal deutlich besser ab. Die Musik der amerikanischen Metal-Band Disturbed senkte sowohl den systolischen und diastolischen Blutdruck als auch die Herzfrequenz. - Musik in der Demenztherapie
Faszinierend finde ich, dass Menschen, die unter Demenz leiden und deren Gedächtnis nicht mehr richtig funktioniert, ein funktionierendes Musikgedächtnis haben können. Sie mögen sich zwar nicht mehr an den gestrigen Tag oder an den Namen einer nahestehenden Person erinnern, aber es kann sein, dass sie ein bekanntes Lied mitsingen und sogar neue Stücke lernen können. Mehr dazu schreibt Stefan Kölsch in seinem Buch „Good vibrations“. - Musik als Einsatz in der Schmerztherapie
Bei chronischen Schmerzen wird Musik in der Schmerztherapie eingesetzt und erzielt dabei gute Ergebnisse. Hier möchte ich erwähnen, dass auch die Meditation einen positiven Einfluss im Umgang mit Schmerzen hat. - Euphorisierend wie eine Droge?
Eine spannende Hypothese hat die Neurologin Valorie Salimpoor von der McGill University in Montreal, Kanada, aufgestellt. Sie geht davon aus, dass Musik unter bestimmten Umständen ähnlich euphorisierend wirkt wie psychoaktive Drogen. Dazu hat sie Versuchspersonen Musikstücke verschiedener Genres vorgespielt und dabei die wichtigsten physiologischen Parameter gemessen. Der Dopaminspiegel stieg stark an und es wurden Areale aktiviert, die auch auf Drogen wie Kokain reagieren.
In meinem Yogaunterricht setze ich zwar keine Musik ein, aber am Ende der Stunde erzeugen wir oft gemeinsam einen Klangteppich mit dem Laut „Om“. Gemeinsames Musizieren – und sei es nur ein Laut – wirkt verbindend, baut Stress ab und stärkt das Wohlbefinden.
Wer du nicht selbst musizieren oder tönen möchtest, hört du vielleicht lieber zu?
Übung der Woche
Vielleicht suchst du dir diese Woche ein Lied aus, das dir von Herzen gut tut. Mach daraus eine Meditation und bereite alles in deiner Umgebung darauf vor. Vielleicht zündest du eine Kerze an, dimmst das Licht und kuschelst dich in eine Decke?
Mach dich bereit, der Musik zu lauschen. Wenn es einen Songtext dazu gibt, achte darauf, wie die Melodie den Worten eine besondere Kraft verleiht.
Mein Song der Woche ist „Song to Myself“ von der Band „Picture This“. Es ist ein Popsong und der Text hat mich sehr berührt. Der Sänger der Band, Ryan Hennessy, hatte den Text als Brief an sich selbst geschrieben und nie vorgehabt, ihn mit der Welt zu teilen. Ermutigt wurde er von seinem Bandkollegen Jimmy, der meinte, die Botschaft sei zu wichtig, um sie für sich zu behalten. Es hat sich herausgestellt, dass es viele Menschen gibt, die mit dem Text und der Musik in Resonanz gehen.
Was wird dein Song der Woche? Teil ihn gerne mit mir!
Liebe Grüße
Gabriele von attention.rocks ❤️
Musik nährt, verbindet und heilt