Künstliche Intelligenz – Fluch oder Segen?

Frau im Café, die schreibt.Journaling

Nachdem sie von der Masse lange ignoriert und wenig ernst genommen wurde, kommt die Künstliche Intelligenz (KI) zur Zeit mit enormem Tempo und unglaublichen Tools um die Ecke. Sie bringt für viele Berufsgruppen einschneidende Veränderungen mit sich und ist vielleicht schon näher an deiner Profession, als du denkst.

Abenteuer Veränderung

Jede Veränderung ist wie ein Abenteuer. Es gibt Menschen, die sich von Abenteuern angezogen fühlen und Menschen, die gut darauf verzichten können. Das Abenteuer, das wir in Bezug auf die künstliche Intelligenz vor uns haben, betrifft uns alle – ob wir wollen oder nicht. 

KI ist für mich ein alter Hut, aber einer, der gerade ziemlich fesch daherkommt. Mit dem KI-Fach, das ich 1990 während meines Informatikstudiums besuchte, hat das heutige Feld nur noch wenig zu tun. 

Ich erinnere mich, dass das Potential der künstlichen Intelligenz in Fachkreisen einen Hype erfuhr, aber nicht so flott auf die Straße kam wie gedacht. Viele habe KI als Idee abgetan, die in den Kinderschuhen steckenbleiben und nie über einen gewissen Reifegrad hinauskommen wird. Ein Reifegrad, der natürlich weit unter unseren menschlichen Fähigkeiten bleiben würde.

Und plötzlich steht diese Idee als erwachsene, attraktive Schönheit vor der Tür und besitzt Fähigkeiten, über die wir uns, als Mensch oder Individuum, lange Zeit definiert haben.

Dabei spreche ich nicht von Robotern, die Kranken das Essen ans Bett bringen. Ich spreche von der „Intelligenz“, die sich im Kopf abspielt und von der viele Menschen denken, dass es sie ausmacht. 

Faszination versus Angst

Da jede Veränderung etwas Neues und eine Portion Ungewissheit im Gepäck hat, reagiert unser inneres Alarmsystem automatisch darauf. Das empfinden wir im positiven Sinne als faszinierend und im negativen Sinn als beängstigend.  In beiden Fällen haben wir das Ausmaß mit unserem Verstand noch nicht durchdrungen.

Den Einzug der künstlichen Intelligenz hat mittlerweile jeder mitbekommen. Ob im Fernsehen oder beim Besuch einer Website, auf der wir es mit einem Chatbot statt mit einen Service-Mitarbeiter zu tun haben. Ich erinnere mich noch an die Anfänge, als der Chatbot weder meine Frage verstanden hat noch die Antwort zufriedenstellend war. Dieses Erlebnis gehört längst der Vergangenheit an.

Heute liefern gute Chatbots oft schnellere und bessere Ergebnisse als unmotivierte Servicemitarbeiter. Darüber hinaus zeigen sie oft freundliche, witzige und mitfühlende Wesenszüge. Vor allem haben sie viel mehr Geduld, als wir es mit uns selbst und anderen haben. 

Sie sind teilweise so gut, dass sie tief in den menschlichen Wirkungsbereich eindringen. So tief, dass sie berufliche Tätigkeiten übernehmen und ganze Berufsfelder ins Wanken bringen. Das ist gar nicht so abwegig, wenn man sich die Qualität der Übersetzungen anschaut, die automatisch generiert werden. Oder die Fähigkeit zu recherchieren, Stories zu schreiben und ganze Bücher zusammenzufassen. 

Was uns anfangs hilfreich erschien, steht plötzlich als Gefahr vor der eigenen Tür. Wie bei jeder Gefahr ist es wichtig, sich mit ihr auseinanderzusetzen und das Nebulöse daran aufzulösen. 

Künstliche Intelligenz – Fluch oder Segen?

Jeder Veränderung, die sprunghaft wahrgenommen wird, geht eine Ankündigungszeit voraus, die wir entweder falsch eingeschätzt oder erfolgreich ignoriert haben. Ob Klimawandel, Krieg oder andere bahnbrechende Veränderungen – nichts von alledem kommt ohne Vorboten. Selbst Viren haben eine Historie, die wir manchmal erst kennenlernen, wenn die Menschheit unausweichlich damit konfrontiert wird.

Sich dessen bewusst zu sein, löst zwar nicht die aktuellen Miseren, aber ein besseres Verständnis könnte unser Verhalten und somit die weitere Entwicklung positiv beeinflussen. 

Die künstliche Intelligenz ist eindeutig aus den Kinderschuhen herausgewachsen. Sie kann „plötzlich“ Dinge, die früher nur wir Menschen konnten und sie lernt permanent dazu – ohne zu murren. Das sind schwere Zeiten für Menschen, die gerne alles so lassen wollen, wie es ist. 

Ich würde mich selbst als abenteuerlustig bezeichnen und hatte dennoch beunruhigende Gedanken, dass irgendwann die KI auch meinen Blog, sowie den Yoga- und Achtsamkeitsunterricht übernehmen könnte. Womit würde ich meinen Lebensunterhalt verdienen und was würde mir Sinn geben? Ihr müsst euch nicht sorgen, … mir fiel einiges dazu ein 😉

Was, wenn wir nicht mehr gebraucht werden?

Es wird Menschen geben, denen spontan nichts dazu einfällt. Dazu kommt, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der sich viele über Leistung und Erfolg definieren, und deren soziales und persönliches Ansehen davon abhängt. Was tun diese Menschen, wenn sie nicht mehr so viel „leisten“ müssen/dürfen/brauchen?Jeder, der über viele Jahre Fähigkeiten erworben hat, die plötzlich nicht mehr gebraucht werden, wird sich neu orientieren müssen. Die Vorstellung, in eine finanzielle Krise oder Sinnkrise zu stürzen, kann beängstigend sein. Wer bin ich, wenn ich nicht mehr im aktuellen Job gebraucht werde?

Wir sind so viel mehr als unser Job 

Es gab schon immer Zeiten, in denen alte Berufe ausstarben und neue geschaffen wurden. Ich schätze, dass wir diesen Zeiten entgegensehen und vielleicht auch über Gesellschaftsformen nachdenken dürfen, die eine solche Entwicklung unterstützen. Wann ist genug wirklich genug? Was macht den Wert einen Menschen aus und worüber definieren wir uns?

Für den Einzelnen ist der erste wichtige Schritt, sich darüber bewusst zu werden, was sich in uns abspielt, wenn uns eine existentielle Angst oder Sinnkrise befällt. Das funktioniert mit der Beobachtung der körperlichen Reaktionen bis hin zur Beobachtung der damit verbundenen Gedanken und Sorgen. 

Es gibt Szenarien, die sich positiv entwickeln können und Szenarien, die wir als ungünstig einschätzen.

Da die Menschheit eine biologisch geprägte „Negativtendenz“ hat, konzentrieren wir uns daher automatisch auf die ungünstig laufenden Entwicklungsoptionen. Dieses Wissen können wir nutzen und bewusst mit Achtsamkeit dagegenhalten. Dazu empfehle ich ein paar Fragen aus dem Coaching und meine liebste Übung, das Journaling. 

Was wir in sorgenvollen Momenten brauchen, sind neue Perspektiven. Und neue Perspektiven erhalten wir automatisch, wenn wir von allen Seiten auf die Sache schauen. Nicht nur ein bisschen rechts und links. Bleib offen und geh um die ganze Angst herum. Beschäftige dich mir ihr, freunde dich an und lerne ihre Sprache sprechen. 

Übung zur Orientierung und Standortbestimmung

Gezielte Fragen können helfen, sich neu zu orientieren, den aktuellen Standort zu bestimmen und innere Sicherheit aufzubauen. Wenn du dir Sorgen machst oder dir ein Thema, wie z.B. die Künstliche Intelligenz, im Magen liegt, reflektieren am besten schriftlich:

  • Wie fühle ich mich gerade?
  • Welche Gedanken belasten mich?
  • Was steht auf dem Spiel? 
  • Wie wahrscheinlich ist das, was ich befürchte?
  • 10 Dinge, die ich tun könnte, wenn eintritt, was ich befürchte …
  • 10 Dinge, die ich gewinne, wenn eintritt, was ich befürchte …

Bevor du dich an die Fragen machst und darüber schreibst, nimm dir ein paar Minuten Zeit, still zu werden und dich auf deinen Atem zu konzentrieren. Schaffe etwas Distanz und trau dahin zu gehen, wo es nichts gibt und wo es doch an nichts fehlt.

Das Leben ist ein Abenteuer. Lasst es uns gemeinsam angehen und uns dabei unterstützen und stärken. Ich wünsche dir einen offenen Geist, Zuversicht und viele spannende Erkenntnisse

Alles Liebe
Gabriele von attention.rocks