Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit und ich habe mir dieses Jahr eine Sache ausgesucht, die dringend notwendig ist und die vielleicht auch dein Leben erleichtern kann.
Ich werde morgens auf „Medien” verzichten! Das bedeutet: keine Nachrichten und keine Social-Media-Berieselung – mindestens bis zum Frühstück. Damit mir das leichter fällt, schaffe ich einen wertvollen Ersatz für diese Zeit, der mir dabei helfen soll, diese Ausrichtung im Laufe des Tages beizubehalten.
Meine Erfahrungen mit dem Verzicht
Das Thema kann jedes Jahr ein anderes sein, aber im Kern geht es immer um etwas, das aus dem Ruder gelaufen ist. Das kann eine Sache sein, die zu viel konsumiert wurde, oder etwas, das meinen Geist permanent im Haben-Wollen-Modus hält.
Meine Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass bewusster Verzicht immer mit einem Gewinn an Lebensqualität einhergeht.
Da wir uns aber nicht allein auf meine Erfahrung verlassen wollen, möchte ich auch die wissenschaftliche Sicht darauf teilen.
Wissenschaftlich betrachtet
Dr. Anna Lembke, Psychiaterin und Professorin an der Stanford University, schreibt in ihrem Buch Die Dopamin-Nation, dass unser Gehirn Freude und Schmerz an derselben Stelle verarbeitet. Sie sagt, beide leben auf je einer Seite einer Wippe.
Da unser Gehirn ein selbstregulierendes Gleichgewichtssystem hat, stellt es nach einem Dopamin-Peak von selbst die Balance wieder her. Das funktioniert wie bei einem Thermostat, das die Temperatur konstant halten möchte.
Das bedeutet: Je mehr man sich billigen Freuden wie Zucker, Alkohol oder Social Media hingibt, desto mehr neigt das Gehirn dazu, das Gleichgewicht in Richtung Schmerz zu verschieben, um die Dopamin-Balance wiederherzustellen. Der Absturz ist also „Programm“.
Er ist jedoch nicht als Strafe, sondern als evolutionär sinnvoller Schutzmechanismus zu verstehen. Unser Gehirn zwingt uns zur Pause, denn ohne diese Pause würden wir endlos konsumieren oder Tag und Nacht scrollen.
Das erklärt, warum Fasten und Meditation so wirkungsvoll sind. Verzicht schafft Balance und in der Meditation lernen wir, zu sitzen, ohne den vielen kleinen Befindlichkeiten ständig nachzugeben.
Wenn wir über einen langen Zeitraum hinweg zu viel von etwas konsumieren, gewöhnen wir uns so sehr daran, dass die ersten Tage ohne das Gewohnte oft schwierig werden. Es ist wie ein Entzug. Und wenn das der Fall ist, dann ist das eine schöne Bestätigung dafür, dass eine Korrektur überfällig war.
Fastenzeit – Gelöbnis der Besserung nach dem Kater?
Früher wurde in der Fastenzeit oft auf Alkohol und Süßigkeiten verzichtet. Das war nach Fasching auch durchaus sinnvoll, denn wer kennt sie nicht, die Tage, an denen man mit einem Kater und dem flüchtigen Lippenbekenntnis „Nie wieder” aufwacht?
Heute liegt das Übermaß bei vielen Menschen jedoch nicht beim Essen und Trinken.
Es gibt zahlreiche andere Gewohnheiten, die manchmal mit einem „Kater“ verbunden sind. Das sind Dinge, die entweder übertrieben werden (wie z. B. die Nutzung von Social Media) oder die einem gesundheitlich nicht guttun, die man aber trotzdem nicht richtig abstellen kann.
Wenn etwas aus dem Ruder läuft
Fasten ist eine hilfreiche Maßnahme, um wieder in die Spur zu kommen.
Mir passiert zum Beispiel immer wieder, dass mein Medienkonsum ein Eigenleben entwickelt. Ich möchte mich informieren und auch Stellung beziehen, aber ich merke zunehmend, dass es mir bei einer „Überdosis“ an Nachrichten richtig schlecht geht. Und diese Überdosis ist schnell erreicht!
Bei all den Nachrichten, bei denen wir nicht einmal sicher sein können, dass sie wahr sind, wird mein Kopfkino jedes Mal übermäßig angeregt. Darauf reagieren mein Nervensystem, mein Hormonhaushalt und meine Stimmung.
Das Maß ist übervoll, weil die Zustände, auf die wir meist wenig Einfluss haben, von allen Seiten immer wieder thematisiert werden. Sie werden bestätigt, verdreht, abgeschwächt, übertrieben oder auf sonstige Weise manipuliert.
Das ist zwar nicht neu, aber es wird immer offensichtlicher.
Wir werden von den Algorithmen einer Milliardenindustrie bewusst manipuliert.
Gestern ist mir das wieder deutlich geworden, als ich auf Instagram die Nachricht „Dies ist eine Nachricht, die Sie interessieren könnte“ erhielt. Die Nachricht war weder informativ, noch hilfreich oder in meinem Interesse. Am schlimmsten war jedoch, dass sie mir nicht mehr aus dem Kopf ging.
Wenn ich nicht länger zulassen will, dass andere mein Denken in diesem Ausmaß beeinflussen, muss ich an der Quelle ansetzen. Deshalb habe ich beschlossen, meinen Medienkonsum in der Fastenzeit einzuschränken.
Die Fastenzeit hat für mich also eher etwas mit einem „Schritt zurück in die Normalität“ zu tun. Eine Normalität, die irgendwo unbemerkt verloren gegangen ist.
Fastenzeit – Back to Normality
Die meisten Menschen verbinden mit dem Begriff „Fastenzeit“ eine religiöse Pflicht aus Kindertagen. Entweder, weil es Teil ihrer Erziehung war, oder weil Freunde dem kirchlich auferlegten Pflichtprogramm folgen mussten oder sollten.
Für mich persönlich hat das Fasten nicht zwangsläufig mit der Kirche zu tun. Es bedeutet, zu einem „gesunden Maß“ zurückzukehren.
Zugegeben, der Begriff „Mäßigung” ist nicht gerade sexy und motiviert nicht unbedingt zum Weiterlesen. Bleib noch einen Moment, es wird gut werden.
Der Begriff „Mäßigung“ oder „Mäßigkeit“ taucht auch in vielen anderen Traditionen und Philosophien auf, wie z. B. im Yoga (Brahmacharya). Wenn wir uns auf diesen Gedanken einlassen, werden wir feststellen, dass dieser Zustand dort aus gutem Grund thematisiert wird.
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Eigentlich ist die Idee des Maßhaltens nur deshalb unsexy, weil sie so schwer umzusetzen ist. Wären unsere Stimmung und unser temporäres Wohlbefinden nicht so stark von einer bestimmten Sache „abhängig“, wäre ein gewisses Grad an Mäßigung in der Regel gar kein Problem.
Wo spürst du eine Abhängigkeit, die dir langfristig oder kurzfristig nicht guttut und von der du nur schwer lassen kannst? Du merkst schon, es geht hier nicht nur um Substanzen, sondern auch um Verhaltensweisen und Gewohnheiten.
Maßlosigkeit hat immer einen Preis!
Langfristig geht sie entweder auf Kosten unserer geistigen, emotionalen oder körperlichen Gesundheit, auf Kosten der Gesellschaft oder auf Kosten des Planeten.
Aber bleiben wir erst einmal bei dem, was in uns aus der Balance gerät.
Was gibt es bei dir, das gerade nicht Balance ist?
Ein „ungesundes Maß“ bringt uns zwangsläufig irgendwann aus unserer Mitte. Und die verlorene Mitte ist tatsächlich oft der Grund, warum viele zum Yoga kommen.
Doch mit einer Stunde Yoga und ein paar Atemübungen ist es nicht getan. Zwar kommen wir für einen Moment zur Ruhe und fühlen uns dann ausgeglichener, aber unsere alten „maßlosen“ Gewohnheiten bringen uns schnell wieder aus der Mitte heraus.
Yoga in seiner Gesamtheit kann uns dabei helfen, auch abseits der Matte unsere Balance zu bewahren und somit langfristig näher an unserer inneren Mitte zu bleiben. Brahmacharya, als eine Form der Mäßigung, ist ein wichtiger Teil dieses Yogaweges.
Wenn bei dir auch gerade etwas aus dem Ruder läuft oder dir regelmäßig einen Kater beschert, wäre Fasten vielleicht eine gute Sache.
Um das Fasten zu erleichtern, widme ich meine tägliche Meditation dem Thema „Maßhalten und in Balance sein“.
Wenn du mitmachen möchtest, kannst du dich zur „Neumond-Challenge: 29 Tage Meditation mit Plan“ anmelden. Sie kostet 29 € und ist mit 1 € pro Tag eine gute Investition.
Die Challenge startet am Dienstag (17.02.2026) mit dem Neumond. Du kannst aber noch bis Donnerstag (19.02.2026) einsteigen.
Reflexionsübung zum Thema Verzicht
Dinge, die wir einmal aufgegeben haben, werden später oft zu den Geschichten, an die wir gerne zurückdenken und nicht missen möchten. Die folgende Übung besteht aus zwei Schritten und kann dir helfen, das Thema „Verzicht“ für dich zu reflektieren.
- Erinnere dich an eine Sache, auf die du einmal erfolgreich verzichtet hast. Was hat sich aus diesem Verzicht Positives entwickelt und wie hat sich dein Alltag ohne diese Sache angefühlt – am Anfang und am Ende?
- Finde eine Sache, die zu viel Macht über dich hat oder deinen Geist ständig mit einem Gefühl von Haben-Wollen malträtiert. Wie wäre dein Leben ohne diese Sache? Was würdest du gewinnen?
Worauf immer du in den nächsten Tagen ein Stück weit verzichten wirst, ich wünsche dir gutes Gelingen.
Ich würde mich freuen, dich bei der Meditations-Challenge zu sehen, denn sie wird dir nicht nur dabei helfen, bewusster durch die Fastenzeit zu gehen. Bereits fünf Minuten Meditation pro Tag haben einen nachweislichen Einfluss auf unsere Gesundheit, unseren Schlaf und unser Wohlbefinden.
Liebe Grüße und gutes Gelingen,
Deine Gabriele von attention.rocks❤️

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Fastenzeit