Beltane und die Hexen der Walpurgisnacht

Beltane ist eines der vier keltischen Jahreskreisfeste, das wild und ausgelassen in der Nacht zum 1. Mai gefeiert wurde. Es ist als Mondfest und Feuerfest bekannt und symbolisiert den Beginn der sommerlichen Zeit. Mit einem großen Feuer wurde das Erwachen der Natur zelebriert und böse Geister vertrieben.

Der Name „Beltane“ stammt vom keltischen Sonnengott Belenus und seiner Frau Belena, die an seiner Seite als „die Feuerstrahlende“ herrschte. Beltane steht für die Zeit des Erwachens, der Fruchtbarkeit und Sinnlichkeit.

Für jede Zeit gibt es Rituale und Bräuche

Seit der Sonnenkalender Einzug gehalten hat, wird das Fest in der Nacht zum 1. Mai gefeiert. Die frühere Berechnung nach dem Mondkalender orientierte sich am 5. Vollmond nach der Wintersonnenwende, wodurch das Fest auch mal auf den 20. Mai fallen konnte. Die Bräuche sind uralt und in unterschiedlichen Kulturen in ähnlichen Formen zu finden.

In der Nacht zum ersten Mai gab es viele Rituale der Segnung und Reinigung. Viehherden wurden zwischen zwei Feuern hindurchgetrieben, bevor sie nach dem langen Winter endlich wieder auf die Weiden durften. Damit sollte alle Formen von Seuchen vertrieben werden. Liebespaare liebten sich in der freien Natur, um den Boden fruchtbar zu machen und Mutige sprangen durchs Feuer.

Der Sprung durchs Feuer wurde erst gewagt, wenn das Feuer im Laufe der Nacht etwas heruntergebrannt war. Die Überlieferung sagt, dass beim Sprung ein Wunsch in Erfüllung ging. Das galt besonders für Verliebte.

Obstbäume wurden mit bunten Bändern geschmückt, um die guten Geister um eine reiche Ernte zu bitten. Nächtliches Peitschenknallen, ausgelegte Besen und Maibüsche galten als Schutz für die Höfe. Und der Maibaum, meist eine Birke, war das Zeichen der Fruchtbarkeit – oft auch als Weltenbaum bezeichnet. 

Die an dem Tag abgehaltenen Märkte wurden mit Tanz und Musik abgeschlossen, ein Brauch, der sich bis heute als Tanz-in-den-Mai gehalten hat.

Beltane und die Walpurgisnacht

Das Beltane Fest, das ursprünglich den Abschied der kalten Jahreszeit und den Einstieg in den Sommer markierte, wurde im Zuge der Christianisierung als Hexenwerk verteufelt. Angeblich seien Orgien zelebriert worden, in denen sich auf Besen reitende Hexen mit dem Teufel vermählten, um Zauberkräfte zu empfangen.

Die Kirche sorgte nicht nur für wilde Geschichten, sondern auch für ein „Ersatzfest“, das heute noch unter dem Namen Walpurgisnacht bekannt ist.

Die Bezeichnung ist auf die Nonne Walburga zurückzuführen, die im 8. Jhd. im Kloster in Heidenreich eine Äbtissin war. Sie wurde am 01. Mai 870 heiliggesprochen, so dass dieser im Mittelalter zu ihrem Gedenktag wurde.

Es ranken sich viele Schauermärchen um die Walpurgisnacht – von Tieropfern, teuflischen Riten und heimlichen Zusammenkünften. Die meisten stammen aus dem Mittelalter, einer Zeit, in der die Angst vor Hexen und bösen Geistern einen traurigen Höhepunkt erreicht hatte. Wilde Geschichten über den Hexensabbat sollten die Menschen von den heidnischen Traditionen zum Christentum bekehren und schürte besonders im 15. und 16. Jahrhundert die Fantasie der religiösen Bevölkerung.

Goethe hat in seinem Werk „Faust“ die tanzenden Hexen und die Walpurgisnacht berühmt gemacht. Er beschrieb wie sich Faust und Mephisto in der besagten Nacht auf den Weg zum Brocken im Harz machten – hoch nach oben auf dem Berg, wo die wilde Feier stattfand.

Da strömt die Menge zu dem Bösen
da muss sich manches Rätsel lösen

Johan Wolfgang von Goethe, Faust

Der Brocken im Harz ist heute noch berühmt für Zusammenkünfte in der Walpurgisnacht – allerdings finden diese nicht mehr heimlich statt und haben eher Volksfestcharakter.

Hexen und Walpern

Bekannt ist die Walpurgisnacht in vielen Regionen auch als Hexennacht. Und jetzt komme ich zu einem Brauch, der in bestimmten Regionen im Saar-Pfalzkreis als „hexen“ oder „walpern“ bekannt ist. Dabei ging es um Streiche, wie dem Fortbewegen von allem, was ums Haus herumstand und nicht befestigt war: Fußmatten, Blumentöpfe, Mülleimern und vieles mehr.

Ich erinnere mich, dass in der Nacht einiges erlaubt war. Heute noch sieht es am Vorabend in den Vorgärten unserer Gemeinde besonders aufgeräumt aus, da vor allem die ältere Generation alles, was transportiert werden könnte, in Sicherheit bringt.

Diesen „Hexen“-Brauch habe ich als Kind geliebt, und er unterschied sich deutlich von dem Schabernack, den die nachfolgenden Generationen mit Klopapier anstellten. Daran sieht man, wie sich Bräuche auch innerhalb ein paar Jahrzehnte ändern können.

Erinnerungen an meine Hexennächte

Ich komme aus einem Dorf, in dem wir Kinder um die Häuser zogen, während die Erwachsenen in den Mai feierten. Wir haben alles, was nicht niet- und nagelfest war, sozusagen neu „verortet“. Die Blumenkübel der Familie Meiser standen am nächsten Morgen ein paar Häuser weiter im Vorgarten der Familie Baltes und die Mülltonne der Familie Schneider fand sich – mit vielen weiteren, die wir „gefunden“ hatten – auf einem großen Platz eine Straße weiter wieder.

Mit den Jahren wurden die „frei verfügbaren“ Gegenstände immer schwieriger zu finden, da die Erwachsenen sie am Vorabend vorsorglich in den Garagen verstauten. Das hielt die Gruppen jedoch nicht ab. Sie wurden erfinderisch und so mancher Hausbesitzer wünschte sich am nächsten Tag, er hätte uns Kindern einen Blumenkübel vor der Tür gelassen.

Den aufwendigsten Streich hatten sich ein paar Jungs aus der Nachbarschaft bei meinem Onkel geleistet. Sie „borgten“ sich von einer Baustelle ein paar Steine, die sie vor der Haustür meines Onkels zu einer Mauer türmten. Eine Mauer, die keinen Spalt zum Rauskommen ließ. Ich erinnere mich, dass er nicht sonderlich amüsiert war und dass es lange dauerte, bis jeder Stein abgetragen und wieder an Ort und Stelle war.

Mein Vater nahm es lässig und ich glaube mich zu erinnern, dass er die Idee ziemlich originell fand. Immerhin hatten sie die Wand nicht mit Mörtel gemauert, nur gestapelt.

Wie wurde bei euch Hexennacht gefeiert? Welche Bräuche habe ich vergessen?

Beltane Fest des Neubeginns

Die Hintergründe zu dem keltischen Fest und den Bezug zur Natur hatte ich damals noch nicht auf dem Schirm und ich finde es schön, den ursprünglichen Gedanken wieder zu beleben.

Wenn Beltane die Winterzeit beendet und die Sommerzeit einleitet, kann man diese Energie durchaus auch für die eigene Entwicklung nutzen. Immerhin sind auch wir Teil der Natur und von Zyklen geprägt.

Wir können uns fragen, was jetzt in uns selbst aufblühen und im Herbst Früchte tragen soll. Was tragen wir in uns? Was will aufgehen? Welche Energie können wir nutzen? Wofür brennt unser inneres Feuer?

Ich wünsche dir inspirierende Antworten und eine fruchtbare Zeit.

Deine Gabriele von attention.rocks

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