Meditation und der Mut, sich zu zeigen

Meditation

In der Meditation kommen wir uns selbst näher – vielleicht sogar näher, als uns lieb ist. Sie lehrt uns, die Welt und uns selbst so zu sehen wie wir wirklich sind. Wer meint, Meditation sei ein Rückzug oder gar eine Flucht aus der Welt, der irrt und hat es wahrscheinlich selbst noch nie (richtig) versucht.

In der Meditation machen wir uns bereit, offen zu sein und zu erkennen, wer wir sind – und zwar hinter der Fassade und jenseits von Mustern. Und wenn es gut läuft und wir dran bleiben, dann können wir am Ende auch den Mut entwickeln, uns der Welt so zu zeigen, wie wir sind.

Klingt gut? Meditation ist ein Schritt in die Freiheit und es braucht nicht viel, um die Reise anzutreten.

Sitzen und nichts tun?

Die meisten stellen sich unter Meditation Menschen vor, die mit geschlossenen Augen in einer anmutigen Haltung auf dem Boden sitzen und nichts tun.

Nur sitzen!

Abgesehen davon, dass wir in jeder Haltung meditieren können – im Sitzen, Stehen, Liegen oder Gehen – ist Meditation in der Regel weit davon entfernt, nichts zu tun.

Du kannst ja gerne mal versuchen, dich für 5 Minuten hinzusetzen und an nichts zu denken, dich nicht zu bewegen, nichts zu fühlen und nichts zu wollen.

Die Gedanken komplett auszuschalten und damit nichts zu tun – nicht einmal etwas zu wollen – ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Fast, denn in den alten Schriften – unter anderem aus dem Yoga – wird viel über diesen geistigen Zustand geschrieben. Es ist ein Zustand der Freude und der Glückseligkeit.

Auf dem Weg dorthin gibt es viele Zwischenstufen und viel zu gewinnen, denn es ist alles andere als ein Ego-Trip.

Meditation ist kein Ego-Trip

Was auf den ersten Blick wie ein Ego-Trip aussieht, geht weit darüber hinaus. Wenn wir den Prozess zu Ende denken, dann sitzen wir nicht nur für uns. In der Meditation kann sich unsere Sicht auf uns selbst und auf die Welt verändern. Diese Sicht bleibt nicht ohne Wirkung auf unser Handeln – im Umgang mit anderen und in der Welt.

Wenn wir bereit sind, uns selbst so zu sehen, wie wir sind – mit all unseren Gefühlen, Gedanken, Schwächen und Zweifeln – dann lassen wir automatisch unsere Muster und Masken fallen. Dann sind wir ganz wir selbst – erst mal nur für kurze Zeit. Je öfter wir das tun, desto näher kommen wir uns und desto klarer wird, dass jeder von uns diesen Kern hat, der jenseits der Masken und Muster liegt. Und da sind wir uns alle sehr ähnlich – menschlich.

Je öfter wir uns selbst begegnen – offen, zugewandt und wertfrei – desto größer ist die Chance, dass wir dies auch mit anderen tun.

Somit sitzen wir in der Meditation nicht nur für uns selbst auf dem Kissen. Wir sitzen für uns alle.

Unser Mut, uns selbst so zu sehen, wie wir wirklich sind, kann sich auf andere übertragen und vielleicht löst sich irgendwann der ganze künstliche „Schein“ auf und macht Platz für etwas Wahres.

Ich denke, das sind gute Voraussetzungen für gute Beziehungen zwischen Menschen, denn daraus können Verbindungen entstehen. Und aus echten Verbindungen kann Großes wachsen.

„It takes courage to open our hearts to others and expose our vulnerability, but as the Dalai Lama often points out, when we do we feel transparent and free. We can stop hiding, stop fearing someone will see who we really are, because we are choosing to be seen.”

Frei übersetzt: Es erfordert Mut, unser Herz für andere zu öffnen und unsere Verletzlichkeit zu zeigen. Aber wie der Dalai Lama oft sagt, fühlen wir uns dann ganz klar und frei. Wir können aufhören, uns zu verstecken und Angst davor zu haben, dass jemand sieht, wer wir wirklich sind – weil wir uns dafür entschieden haben, gesehen zu werden.

aus „A fearless heart“ von Thupten Jinpa

Vielleicht möchtest du es auch einmal ausprobieren?

Hier kannst du dir ein paar Meditationen von mir anhören und wenn du mehr über Achtsamkeit und Meditation erfahren möchtest, dann wirf doch einen Blick in mein Buch Achtsamkeit als Weg zu einem gelingenden Leben.

Liebe Grüße
Deine Gabriele von attention.rocks ❤️