Take in the good – das Gute in sich aufnehmen

Während meiner Search Inside Yourself Ausbildung hatten wir die Aufgabe, eine Zusammenfassung über Rick Hansons großartiges Buch „Buddha’s Brain“ zu schreiben. Letzte Woche, etwa 5 Jahre später, wurde mir schlagartig bewusst, dass ein Satz aus diesem Buch fast unbemerkt zu meinem Mantra geworden war. „Take in the good“ – was bedeutet, das Gute bewusst in sich aufzunehmen.

Was macht diesen Satz so mächtig?

Als HEAVN, eine meiner aktuellen Lieblings-Bands, letzte Woche auf einem Open-Air-Festival den Song „The Sea“ spielte, öffnete sich die Wolkendecke einen Spalt. Ein paar Sonnenstrahlen sorgten für ein atemberaubendes Lichtspiel und während mich das Staunen durchdrang, hörte ich mich sagen: „Take in the good“.

Vollkommen bewusst und mit allen Sinnen nahm ich diese Atmosphäre in mir auf – die Musik, die Menschen um mich herum, den Geruch, das Lichtspiel, den Wind auf meiner Haut und die feierliche Stimmung in mir.

Neurologisch betrachtet, hat dieses Erlebnis die Struktur meines Gehirns ein wenig verändert. Die Lieder von HEAVN werden diese Erfahrung in sich tragen, und diese Tatsache verändert nicht nur die Qualität des Hörens. Der Augenblick ist auf magische Weise mit der Musik verknüpft und wird somit sehr lebhaft in Erinnerung bleiben. Jedes Mal, wenn ich den Song höre, schwingt die wundervolle Atmosphäre mit.

Die Macht der Erinnerung

Erfahrungen werden als Erinnerung abgespeichert und je nachdem wie emotional ein Erlebnis war, bleibt es gut greifbar oder wird weit nach hinten verdrängt. Je intensiver wir etwas erleben, umso lebhafter die Erinnerung.

Das gilt für positive Erfahrungen gleichermaßen wie für negative.

Eine sehr alte (Überlebens-)Funktion unseres Gehirns sorgt dafür, dass wir in der Gegenwart den negativen Ereignissen und Gedanken mehr Aufmerksamkeit geben als den positiven, selbst wenn der größte Teil unserer Erfahrungen tatsächlich positiv ist. Würden wir nur im Autopilot-Modus durch die Welt gehen, wären wir diesem Prinzip hoffnungslos ausgeliefert.

Glücklicherweise haben wir mehr Einfluss auf unsere Wahrnehmung als wir denken. Mit Achtsamkeit haben wir es in der Hand, wie intensiv und aufmerksam wir Reize aus der Umwelt aufnehmen. Darüber hinaus haben wir Einfluss darauf, welche Erinnerungen wir im Geiste immer wiederholen und somit noch tiefer einprägen.

Die Grübel-Falle und wie wir ihr entkommen

Das ist ein ganz wichtiger Punkt, denn wie oft lassen wir negative Erfahrungen in Gedankenschleifen kreisen? Andauernd! Wir grübeln darüber, reichern sie mit Vermutungen und Bewertungen an, ohne dass uns dies weiterbringt.

Dabei unterscheide ich das Grübeln ganz deutlich vom Reflektieren und Nachdenken. Grübeln läuft im Autopilot-Modus. Wir sind mit den Gedanken in der Vergangenheit oder malen uns neue Szenarien aus, während die Gegenwart überwiegend unbemerkt an uns vorbeiläuft.

Wir haben jedoch die Fähigkeit, dieses Grübeln zu beenden und mit „Take-in-the-good“ den Negativ-Tendenzen bewusst entgegenzuwirken.

Statt immer wieder in die schmerzliche Erfahrung einzutauchen, können wir uns erlauben, gleichzeitig das Gute ins Bewusstsein zu rufen. Das heißt nicht, dass wir schmerzhafte Situationen und Erinnerungen verleugnen. Wir geben diesem Erleben und Erinnern nur nicht mehr die völlige Kontrolle über den Augenblick. Die Idee dahinter ist, uns von dem Guten durchströmen zu lassen – egal wie klein und unscheinbar es auch sein mag.

Fazit

Mit Take-in-the-good können wir die Tendenz überwinden, uns auf die negativen Dinge zu fokussieren und somit die innere Landschaft unserer Erinnerungen verändern. Wir dürfen wahrnehmen, was der Augenblick an Vielfalt zu bieten hat und bewusst das Gute in uns aufnehmen. Auf das Negative springen wir sowieso an. Viel häufiger, als wir müssten.

Take in the good!

attention.rocks

Buch (deutsch): Das Gehirn eines Buddha von Rick Hanson (arbor Verlag)

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