Entschleunigung beim Slow Camping

Blick auf den Berg Jenzig in Jena zwischen Bäumen und RosensträuchernCampingplatz Unter dem Jenzig in Jena

Jenseits der 08/15 Campingplätze mit 24/7 Service, 5G und 100% Reservierungssicherheit, haben wir im Osten Deutschlands eine wahre Perle entdeckt. „Unter dem Jenzig“ in Jena hat neben Slow Camping und Turbo-Entschleunigung einige Highlights in Petto, die ich euch gerne vorstellen möchte.

Rein rechtlich fällt mein Schwärmen unter Werbung, aber es ist unbezahlt und ohne irgendwelche Vergünstigungen.

Mut, Liebe, Geduld

Für das letzte Juni-Wochenende 2022 war das Halbfinale der Boulder-Bundesliga in Jena geplant. Mein Mann und unser Sohn hatten es ins Halbfinale geschafft und damit nichts schiefging, kümmerten wir uns früh um einen Stellplatz auf dem Campingplatz „Unter dem Jenzig“.

Unser Reservierungswunsch wurde zwar sehr freundlich abgewiesen, aber die Signatur „Mut, Liebe, Geduld“ stimmte mich sofort versöhnlich. Meine Neugier war geweckt und der Slogan war wie eine Einladung, zu vertrauen.

Mut führt zu Vertrauen

Als wir vor Ort ankamen, gab es statt der gewohnten Schranke ein Hinweis-Schild, welches uns erst einmal über den halben Campingplatz führte. Die Rezeption stand mittendrin, und befand sich in einem alten Straßenbahnwagen mit Vordach, Sonnensegel und jeder Menge Sitzmöglichkeiten.

Rezeption
Rezeption Slow Camping Jena

Es war Mittagszeit und ein Schild mit der Aufschrift „Bitte suchen Sie sich selbst einen Platz“ zeigte uns, dass „Mut, Liebe, Geduld“ wohl auch auf der Seite des Betreibers vorhanden waren.

Wir fanden einen schönen Platz unter Bäumen und machten nach dem Aufbau eine Radtour, die uns auf einem wunderschönen Radweg bis nach Weimar führte. Alles dauerte etwas länger als geplant – wir waren quasi schon im Slow-Modus. Daher verpassten wir auch den Anmeldezeitraum am späten Nachmittag und mein schlechtes Gewissen nagte sofort an meiner Entschleunigung.

Wir trafen den Betreiber des Platzes beim Auffüllen der „Bar“ – einem Schrank, aus dem man sich mit Getränken kleiner Brauereien auf Vertrauensbasis selbst bedienen konnte. Er reagierte völlig gelassen und meinte, dass wir auch am nächsten Tag noch genug Zeit zum Einchecken hätten und wir sollten uns entspannen.

Alles war unkompliziert, inkl. dem Brötchenservice. Wir konnten unsere Bestellung bis morgens 6 Uhr in einer Liste vor dem Straßenbahnwagen eintragen und die Brötchen ab 8 an einem süßen Häuschen abholen. Statt Tüten gab es ein Brotkörbchen für den Transport und wer mochte, bekam auch einen Kaffee oder Tee.

Slow Camping Jena
Broetchen und Co

Nachhaltigkeit spürt man hier an jeder Stelle

Ein Motto des Betreibers ist „Dinge zu erhalten, statt sie neu zu kaufen“ und das spürten wir an jeder Ecke. Wer auf „ultra-modern“ steht, ist hier eher nicht richtig. Dafür gibt es viel zu staunen, denn alles ist liebevoll arrangiert, sauber gepflegt und originell kombiniert.

Auch als Naturliebhaber gab es viel zu entdecken, denn die Anlage ist wunderschön bepflanzt und hat einen herrlichen Baumbestand. Hier ist Verweilen angesagt und dazu findet man überall Einladungen – eine Schüssel mit frisch gepflückten Kirschen auf dem Tisch neben dem Häuschen, Stühle, Bänke und Tische.

Slow Camping Jena
Verweilen ist angesagt

Die Liebe zum Detail ist so präsent wie die Wertschätzung der Dinge. Altes bekommt hier nicht nur ein Gnadenbrot – es bekommt ein neues Leben.

Slow Camping will gelebt werden

Steffen Albrecht, der Betreiber des Platzes, war immer offen für Fragen und Auskünfte zur Umgebung und hatte für jeden Zeit. Slow wird von ihm vorgelebt, und er beschränkt sich dabei nicht darauf, das Wort mit Regeln zu definieren.

Regeln gab es auf dem Platz sowieso überraschend wenige. Es waren mehr Einladungen als Anordnungen und wir spürten viel Vertrauen. Alles in allem hatten wir einen wunderschönen Aufenthalt, der das Wochenende zu einem bleibenden Erlebnis gemacht hat.

Das Ergebnis der Boulder-Bundesliga war übrigens auch ein Highlight, denn Joshua konnte im Finale den zweiten Platz in der 1. Liga Herren sichern. Wer sich das Final-Spektakel mal anschauen möchte, kann das hier tun (mein Highlight kommt ab Stelle 1:33). Yeah!

Fazit: Slow Camping in Jena

„Unter dem Jenzig“ ist einer der schönsten Camping-Plätze, den wir bisher besucht haben. Er ist heimelig, einladend und originell und wir kommen auf jeden Fall wieder. Ob zum Radfahren an der Saale, für eine Wanderung auf den Jenzig, zum Schlendern durch Jena und Umgebung oder einfach nur zum Verweilen an diesem wunderschönen Ort.

Mut, Liebe, Geduld – das wünsche ich auch dir – nicht nur beim Slow Camping!

Deine Gabriele von attention.rocks

Sticker Slow Camping Jena

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